Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/128

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das zu Füßen des Berges wohnende und seufzende Elend gewiesen, und was die Berge bieten, müssen die Täler bewahren, und der höchste Gnadenschatz, den man in Verklärungsstunden bekommt und am dämmernden Tage nicht verliert, heißt: Glaube.

 Diesen Glauben an den heil. Geist Gottes, der da zur rechten Zeit Feierstunden und Arbeitstage schenkt, der die Arbeit nicht gibt, ohne daß ihr die Stille folgt und die Stille nicht schenkt, ohne daß sie in Arbeit sich bewähre, wünsche und erbitte ich euch in dieser Stunde. Glaubet an den heiligen Geist! Glaubet an die Heimat bei ihm und an das Heimweh durch ihn!

 Glaubet an den heiligen Geist! Dieser heilige Geist will euch in dem Wort eures Gottes heimisch machen, daß ihr nicht durch allerlei wundersame Lehre im Besitz dieses Wortes gekränkt und geirrt werdet, sondern daß eures Geistes Verlangen nach Gewißheit und sein wandelloses Zeugnis der Wahrheit sich begegnen, sich begegnen in jedem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Als Kinder der evangelischen Kirche dürft ihr euch in diesem Gottesgarten die Plätze und die traulichen Orte heraussuchen, da euch der Herr am nächsten kam und blieb. Ihr könnt da eine Verheißung und dort eine Zusage, da ein Einzelgespräch und dort einen Gnadenzuspruch für alle in eure Seele nehmen und auf euer Leben beziehen und der heilige Geist segnet beides und spricht: Wohne und bleibe, hier ist gut sein! Wenn ich denken müßte, meine teuren Schülerinnen, daß ihr gegen das einzig Gewisse und ewig Wahre Mißtrauen einmal fassen und von dem mit Blut und Tränen eroberten Erbe eurer Väter lassen könntet, dann wäre mir das Scheiden noch schwerer. Aber ich weiß und traue es dem heiligen Geiste, traue es auch dem von ihm geheiligten Geist eures Lebens, daß er euch in alle Wahrheit leitet und ihr euch in sie leiten laßt und im Gotteswort die Heimat findet. Das ist das Gotteswort, das weiterhin Gemeinschaft bildend wirkt. Durch all den Streit, der euer nicht schont und durch all die Zweifel, vor denen wir euch nicht absperren können noch wollen, geht die Gemeinschaft wirkende Tätigkeit des heil. Geistes unter allen denen, die da sprechen: Mir ist’s um Dein Wort zu tun. Längst Heimgegangene, die wir nach ihrem irdischen, müden Teil draußen geborgen haben, teure Christen, ehrwürdige Väter, hohe Gestalten und kleine Leute zumal treten zu euch und bekennen: „Wenn sein Wort nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.“ Aus diesen erlauchten Lebensbekenntnissen und den Geständnissen derer, die mit euch arbeiten, bildet sich eine spürbar sichtliche Gemeinde derer, die