Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/42

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Knieen um den Altar Jesu, daß man spürt von der Ferne, wo jemand unter Freudlosigkeit krankt und seufzt; da eile die Freundin, die Genossin herzu: da erwecke sie den Geist der Freude, da spreche sie von dem Frieden, der alles verneut, und dann wird es wieder lichter und leichter, und dann wirbt man. Eine Sache, an der man sich freut, ein Beruf, dessen man sich getröstet, eine Arbeit, auf die man sich berufen kann, erweckt eine Summe von Freude: Das ist ein köstlich Ding dem Herrn danken, und dieser Dienst gewinnt es auch. Im Gegenteil, wenn die Tage jetzt schwerer werden und der in meinen Augen unausbleibliche Scheidungs- und Zersetzungsprozeß eintreten wird, dann wird man merken, wieviel geheime Freude in der Welt bewahrt und verwahrt ist, und man wird sich darüber recht erheben können, wie nun von da und dort, wo mans nicht meinte, Freude und Freunde einkehren. Das wollen wir uns doch auch für die kommenden Zeiten versprechen: wir wollen wenig von unsrer Freude reden, weniger noch sie uns einbilden, aber wir wollen freudig sein. Und diese Freude, von der der Heiland sagt, daß sie niemand von uns nehme, diese Freude in und an dem Beruf, die so viele einlädt, sei unser Teil, bis wir aus der Freude des Glaubens und der Hoffnung zur Freude des Habens und des Schauens eingehen dürfen. Aber indem ich sage, der Beruf wirbt, darf ich auch weiterfahren: der Beruf vertieft und schützt, er heiligt.

.

 Wie viele Gefahren, welche der Mensch, der seinen Beruf nicht erfaßt, in der Ausfüllung seines Lebens, in der Zerstreuung seines Tages heraufbeschwört, bleiben der Seele erspart, die da einfach den Willen des Herrn im Beruf tut. Es gibt ein Wort, das man in der heiligen Schrift vergeblich sucht und das man auch keinem Mann der heiligen Schrift zutraut, er werde denn an ihm und durch es gestraft und dieses Wort heißt Langeweile. Man kann die Männer Gottes, die uns das Herrenwort gesagt haben: Die Zeit ist kurz – kauft die Zeit aus – wahrlich nicht in den Verdacht bringen, daß sie Langeweile gehabt hätten, und es wird niemand unter uns beikommen, einen Paulus oder Luther der Langeweile zu bezichtigen. Als aber David, der Knecht Gottes Langeweile hatte, weil er den Beruf, mit dem Volke Gottes in den Kampf zu ziehen, schmählich verließ, hat ihn der Herr in die schwersten Sünden des Verrates, des Mordes und des Ehebruchs fallen lassen, damit man sehe, auch für die Kinder Gottes ist Langeweile der Todfeind. Halten Sie alle, die es hören, ich bitte jede einzelne Seele herzlich, Langeweile, die da dem Herrn mitteilt, daß sie mit der Zeit nicht fertig wird, geschweige denn mit der