Seite:Hoffmann Fantasiestücke in Callots Manier Bd.1 1819.pdf/228

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zu entziehen, daß Niemand mich bemerkte. Endlich, nachdem Marien und Caryatiden gewechselt hatten, trat Madame mit einem ganz seltsamen Kopfputz, der dem meinigen auf ein Haar glich, hervor, kniete hin und streckte die Arme auf ein Tabouret vor sich her, indem sie ihre sonst geistreichen Augen zu einem stieren, unangenehm gespenstischen Blicke zwang. Nun lockte mich der Professor leise hervor, und ohne eigentlich den wahren Spaß zu ahnen, schritt ich gravitätisch in die Mitte des Zimmers, und legte mich der Dame dicht gegenüber, die Vorderpfoten ausgestreckt, in meiner gewöhnlichen Stellung auf den Boden. Hochverwundert über ihre Figur, die vorzüglich des Theils halber, auf dem man zu sitzen pflegt, und den die Natur in zu üppiger Fülle ausgebildet hatte, sich ganz besonders ausnahm, starrte ich sie unverwandt an mit dem ernsten, tiefsinnigen Blick, der mir eigen. – Der tiefen Todtenstille folgte ein unmäßiges allgemeines Gelächter. Jetzt erst erblickte mich die in der innern Kunstanschauung versunkene Dame; sie sprang mit wilder Gebehrde wüthend auf, und rief mit Makbeth’s Worten: Wer hat mir das gethan? Aber Niemand hörte sie, denn Alles, von dem gewiß überkomischen Anblick wie elektrisirt, rief und schrie noch durch einander: „Zwei Sphinxe – zwei Sphinxe im Conflikt!“ – Schafft mir den Hund aus den Augen, fort mit dem