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Liste.png J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang

Verfasser sie selbst nicht mehr übersehen kann. Manche von ihnen sind besonders desswegen von Wichtigkeit, als sie die Ansichten französischer und englischer Sinologen, welche nur von der Meeresseite in das Innere des ungeheuren Reichs einen Blick thun konnten, berichtigen. Von den Werken, deren Herausgabe Bitschurin in der nächsten Zeit versprochen hat, erwähnen wir nur zwei: nämlich eine Schilderung der chinesischen Gesetzgebung und ein grosses chinesisch-russisches Wörterbuch. Letzeres ist längst ausgearbeitet, wird eine Stärke von 15 Bänden in Folio erreichen und erscheint auf Kosten der russischen Regierung, die zu diesem Zwecke mehr als 100,000 Rubel Papier bestimmt hat.

 Wir lassen hier in chronologischer Ordnung ein Verzeichniss der Werke des berühmten Sinologen folgen;

  1. Beschreibung von Tibet. 1828. Uebersetzung aus dem Chinesischen,
  2. Denkschriften über die Mongolei, 1828.
  3. Beschreibung der Džungarei. 1829. Uebersetzung aus dem Chinesischen.
  4. Geschichte der ersten vier Chane aus dem Hause Tschirtschi. Uebersetzung aus dem Chinesischen. 1829.
  5. Beschreibung von Peking mit einem Plane. 1829.
  6. Geschichte von Tibet u. s. w. 1833. Übersetzung aus dem Chinesischen.
  7. Geschichtliche Uebersicht der Oirolei (?). 1834.
  8. Chinesische Grammatik. 1834.
  9. China, seine Bewohner, Sitten, Gebräuche, Kultur. 1840.
  10. Statistische Beschreibung des chinesischen[WS 1] Reiches mit Karten. 1842. — K.

 Zwei jungen Gelehrten der Kasaner Universität, Berezin und Dittel, wurden von der russischen Regierung die Mittel verschafft, eine Reise nach der europäischen Türkei, nach Kleinasien, Persien, Syrien und Egypten zu unternehmen, um sich in der arabischen, persischen und türkisch-tatarischen Sprache zu vervollkommnen ; ihre Gehalte sind ihnen auf drei Jahre gesichert.

 In Russland werden nun auch Realschulen nach Art der deutschen eingerichtet; in Moskwa, Tula, Kursk, Wilno, Riga und Kercz bestehen solche bereits seit 2 Jahren; im vorigen Jahre wurde eine solche in Archangelsk errichtet. Ueberhaupt ist das Ministerium der Volksaufklärung in dem Jahre 1841 wieder sehr thätig gewesen; denn ausser der neuen Realschule hat es auch noch ein Gymnasium, 4 Bezirks- und 38 Pfarrschulen eingerichtet. Dabei wird es freilich vom Adel und der Kaufmannschaft sehr unterstützt; so um nur ein Beispiel anzugeben, wies der Adel des Gouvern. Minsk im vorigen Jahre 15,000 R. Silb. zur Erbauung eines Gebäudes für die „adelige Pension“ an und bestimmte eine eben so grosse Summe dazu, dass von ihren Interessen eine entsprechende Anzahl armer, adeliger Kinder erzogen werde.

 Die technische Bergwerksschule, ein Theil des technologischen Institutes in Petersburg, hat die Erlaubniss erhalten, dreissig Pensionäre zu halten, um sie zu Maschinisten und Mechanikern für die Petersburg-Moskwaer Eisenbahn heranzubilden. Man sieht, es wird der Regierung Ernst mit der Sache.

 Die Israeliten in Russland beginnen gegenwärtig recht thätig für die Erziehung von Kindern ihres Glaubens zu sorgen. In Odessa haben sie ein schönes Institut eingerichtet; eben so in neuester Zeit wieder in Wilna und in Goldingen in Kurland zwei grosse Elementarschulen und sechs kleinere im Königreiche Polen.

 W. P. Burnaschew beschäftigt sich seit mehr als drei Jahren mit einem „terminologischen Lexikon der Landwirthschaft, der Industrie und des Fabrikwesens.“ In Folge seiner öffentlichen Aufforderung[WS 2] wurden ihm aus allen Gouvernements die reichhaltigsten Beiträge geliefert. Einzelne Personen sandten ihm ganze Reihen von eigenthümlichen, ächt russischen Bezeichnungen der einzelnen Dinge in jenen drei Fächern, wie sie unter dem rein russischen Volke gäng und gäbe sind. Das wird ihn in den Stand setzen, eine tüchtige Arbeit zu liefern und so eines von den Hindernissen aus dem Wege räumen, die wir oben S. 44 als die Einführung einer rationellen Agrikultur unmöglich machend angaben. Burnaschew ist Adjunkt des Direktors der Apanagen-Ackerbauschule in Petersburg.

 Die literarische Zeitung hat sich seit dem Jahre 1842 bedeutend verbessert, sie ist gründlicher und mannichfaltiger geworden. Schriftsteller wie Lazecznikow, Osnowjanenko, Grebenka, Podolinski und andere, nehmen thätigen Antheil an ihr. Ueber die neuesten theatralischen Vorstellungen werden schnell genaue Berichte gegeben, und die Bibliographie ist sehr vollständig; die Kritik zeichnet sich durch Gründlichkeit und Wahrheit aus.

 Von Gogols Werken erscheint nächstens eine Gesammtausgabe in 4 Bänden. Der erste enthält die вечера на Хуторѣ; der zweite Mirgorod und mehrere kleinere Erzählungen (darunter Taras Bulba ganz umgearbeitet); der dritte die „Arabesken“ und mehrere Novellen, die in Journalen abgedruckt waren; der vierte den „Revisor“ und noch ein (ganz neues) Lustspiel: „die Hochzeit“, so wie einige andere dramatisirte Arbeiten. Im December soll der erste Band ausgegeben werden.

 Vor Kurzem starb in Odessa eine der talentvollsten russischen Schriftstellerinnen, Helena Andrejewna Hahn, bekannt unter dem Namen Zeneide R—wa. Das innigste

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Druckfehler. chinesi- in der Vorlage.
  2. Druckfehler. Auffoderung in der Vorlage.
Empfohlene Zitierweise:
J. P. Jordan: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Erster Jahrgang. Robert Binder, Leipzig 1843, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Jahrb%C3%BCcher_f%C3%BCr_slawische_Literatur,_Kunst_und_Wissenschaft_1_(1843).pdf/98&oldid=- (Version vom 18.11.2018)