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erhob Hyrkan einen großen Jammer, und aus Mitleid mit ihm ließ seine Mutter Frau und Kinder des Aristobulus in die Antonia einsperren. Es war dies eine unmittelbar an der Nordseite des Heiligthums gelegene Burg, ehemals, wie ich schon gesagt habe, Baris geheißen, die aber dann unter der Dictatur des Antonius diese Bezeichnung erhielt, sowie auch andere Orte, einer z. B. den Namen Sebaste von Sebastus, d. h. Augustus, ein anderer den Namen Agrippias von Agrippa später bekamen. 119 Bevor jedoch Alexandra den Aristobulus für die versuchte Entthronung des Hyrkan zur Strafe ziehen konnte, schied sie aus dem Leben, nachdem sie neun Jahre die Regentschaft geführt hatte.


Sechstes Capitel.
Kampf zwischen Hyrkan und Atistobulus. Einmischung der Römer unter Pompejus.

120 (1.) Hyrkan hatte nun freilich als Erbe das Anrecht auf die Regierung, wie ihm denn auch Alexandra vor ihrem Ableben noch das Scepter eingehändigt hatte, aber in Bezug auf die factische Macht und das Regierungstalent besaß Aristobulus einen großen Vorsprung. Der Zusammenstoß, der über die Herrschaft entscheiden sollte, geschah in der Gegend von Jericho, und hier ließen die meisten den Hyrkan im Stiche, 121 um zu Aristobulus überzugehen, so dass der erstere mit den Leuten, die ihm noch geblieben waren, sich beeilen musste, noch vor dem Gegner die Antonia zu gewinnen und sich wenigstens der für sein Leben wichtigen Geiseln, der Frau des Aristobulus und seiner Kinder, zu bemächtigen. In der That verglichen sich auch die Brüder, ehe es zum Aeußersten kam, in der Weise, dass Aristobulus den Thron einnehmen, Hyrkan aber mit Verzichtleistung auf denselben alle jene Ehren empfangen sollte, auf die er als Bruder des Königs Anspruch hatte. 122 Unter diesen Bedingungen schlossen sie im Tempel miteinander Frieden, umarmten sich auf eine herzliche Weise im Angesichte des ganzen Volkes und wechselten gegenseitig ihre Behausung: Aristobulus hielt seinen Einzug in den Königspalast, Hyrkan aber zog sich in das frühere Haus des Aristobulus zurück.

123 (2.) Jetzt wurden alle Widersacher des Aristobulus, die an seinen Sieg nicht geglaubt hatten, ganz besonders Antipater, der dem König schon längst gründlich verhasst war, von Angst befallen. Antipater war ein gebürtiger Idumäer und vermöge seines alten Adels, seines Reichthums und seines sonstigen Einflusses die erste Persönlichkeit seiner Nation. 124 Dieser Mann suchte nun den Hyrkan zu bereden, zum arabischen König Aretas seine Zuflucht zu nehmen, um durch diesen

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/034&oldid=- (Version vom 1.8.2018)