Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/103

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entführen und sich zu den Parthern zu flüchten, wie auch, dass Kostobar, der Gemahl der Salome, mit dem sie der König nach der wegen Ehebruches erfolgten Hinrichtung ihres früheren Gatten verheiratet hatte, diesen Fluchtplan mit Rath und That gefördert habe. 487 Nicht einmal Salome blieb von Verdächtigungen verschont, da ihr eigener Bruder Pheroras sie gewisser Abmachungen wegen einer Ehe mit Sylläus, dem Statthalter des arabischen Königs Obedas, einem verbissenen Feinde des Herodes, beschuldigte. Sie ward in der That sowohl in diesem, wie auch in allen anderen Punkten, die Pheroras gegen sie vorbrachte, schuldig befunden, trotzdem aber von Herodes begnadigt, welcher auch die gegen Pheroras erhobenen Beschuldigungen fallen ließ.

488 (7.) So zog sich nun der Sturm, der über dem Hause des Herodes brütete, wieder über Alexander zusammen, um endlich mit voller Wuth über seinem Haupte loszubrechen. Der König hatte drei Eunuchen, die ihm vor allen anderen theuer waren, wie sich schon aus ihrer Stellung bei Hofe abnehmen lässt: der eine musste dem König den Wein credenzen, der andere die Speisen servieren, der dritte aber den Kämmerer machen und neben ihm schlafen. 489 Diese drei verleitete nun Alexander durch große Geschenke zu unnatürlichen Lüsten. Beim König angezeigt, legten sie auf der Folter ein umfassendes Geständnis ab. Den schändlichen Umgang gaben sie gleich ohne weiteres zu. Allmählig rückten sie aber auch mit den Versprechungen heraus, die sie dazu verleitet hätten, wie sie nämlich von Alexander getäuscht worden seien, und wie er ihnen zugeredet habe, 490 dass sie ihre Hoffnung doch nicht mehr auf Herodes, diesen ausgeschämten und ausgelebten Mann, der sich noch die Haare färben lasse, setzen sollten, außer sie wären dumm genug, ihn wegen der gefärbten Haare wirklich für jünger zu halten. Sie möchten sich vielmehr an ihn, den Alexander, anschließen, der den König auch gegen seinen Willen auf dem Throne ablösen und in nicht allzuferner Zeit an seinen Feinden Rache nehmen, seine Freunde aber, und darunter vor allen sie selbst, mit Gütern und Genüssen jeder Art überhäufen werde: 491 „Schon wetteifern ja,“ schloss Alexander nach ihrer Angabe, „die mächtigsten Personen in der Stille um meine Gunst, und es kommen bereits die Generäle und Obersten des Heeres zu heimlichen Besprechungen bei mir zusammen.“

492 (8.) Diese Enthüllungen setzten Herodes dermaßen in Schrecken, dass er sie nicht einmal sofort zu veröffentlichen wagte, sondern erst durch geheime Späher, die er bei Tag wie bei Nacht unterhielt, alle Vorgänge und Gespräche ausspionieren und alle, die sich verdächtig zeigten, ohne Verzug hinrichten ließ. 493 Der Königspalast ward jetzt

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/103&oldid=- (Version vom 1.8.2018)