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meine Leiche mit seinen Prahlereien verhöhnen möge.“ 474 Nach diesen Worten überflog er mit einem Blicke, in dem sich Mitleid und Ingrimm spiegelten, seine ganze Familie, bestehend aus Frau und Kindern, nebst seinen greisen Eltern. 475 Dann riss er zuerst den Vater bei seinen grauen Haaren herbei und rannte ihm das Schwert durch und durch, hierauf der Mutter, die sich ebensowenig wehrte, darnach seinem Weibe und den Kindern, die sich alle fast selbst ins Schwert stürzten, um nur der Hand des Feindes zuvorzukommen. 476 Nachdem er so mit seiner ganzen Familie fertig war, holte er, vor aller Augen auf den Leichen stehend, mit seiner Rechten soweit aus, dass es Jederman deutlich sehen musste, und senkte die volle Klinge in sein eigenes Lebensblut – ein junges Blut, bedauernswürdig in Anbetracht seiner Leibesstärke und seines Heldensinnes, aber auch gebürend gezüchtigt für seine Treue gegen ein fremdes Volk!

477 (5.) Auf dieses Massacre der Juden in Scythopolis hin erhoben sich auch die Einwohner der übrigen Städte gegen ihre jüdischen Mitbürger. So metzelten die Askaloniter 2500, die Bewohner von Ptolemais an 2000 Juden nieder und warfen außerdem nicht wenige in den Kerker. 478 Auch die Tyrier brachten gar viele ums Leben, und noch größer war die Zahl derer, die sie in Haft hielten. Aehnlich thaten die Bewohner von Hippus und Gadara, die sich der verwegeneren Gesellen entledigten, die furchtsameren Elemente aber bloß einsperrten; ebenso die übrigen Städte Syriens, soweit sie sich theils von Judenhass, theils von Judenfurcht beeinflussen ließen. 479 Nur die Antiochener, Sidonier und Apameer schonten ihre Judencolonien und wollten weder einem Juden ans Leben gehen, noch ihm die Freiheit nehmen lassen, vielleicht darum, weil sie infolge ihres eigenen Uebergewichtes die Juden selbst im Falle einer aufständischen Bewegung nicht zu beachten brauchten, nach meiner Ansicht aber hauptsächlich aus Mitleid mit Menschen, an denen niemand auch nur die geringste Neuerungssucht bemerken konnte. 480 Auch die Gerasener krümmten den Juden, die bei ihnen bleiben wollten, kein Haar und gaben jenen, die aus der Stadt fortziehen wollten, sogar das Geleite bis an die Grenze ihres Gebietes.

481 (6.) Selbst im Königreich des Agrippa wurden den Juden Nachstellungen bereitet. Als nämlich der König einst zu Cestius Gallus nach Antiochien gereist war, führte die Regierungsgeschäfte einer seiner Freunde, namens Noarus, den er zu diesem Zwecke zurückgelassen hatte, ein Blutsverwandter des Königs Soämus. 482 Da kamen von Batanäa siebzig Männer, die nach Geburt und Geist zu den tüchtigsten Bürgern zählten, und baten um Militär, damit sie eine genügende Schutzmannschaft hätten, um ihre Widersacher niederzuhalten, wenn

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 211. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/211&oldid=3333374 (Version vom 1.8.2018)