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strom einfach verschlungen! 331 Diese Ohnmacht erbitterte viele, namentlich aus den Elitetruppen des Josephus, dermaßen, dass sie selbst Hand an sich legten. Wie sie nämlich sehen mussten, dass sie gar keinem Römer beikommen könnten, so wollten auch sie nicht unter der Hand derselben fallen, sondern tödteten sich selbst am unteren Ende der Stadt, wohin sie sich zurückgezogen hatten.

332 (35.) Einige Wachen hatten sich übrigens bei der ersten Wahrnehmung vom Falle der Stadt noch rechtzeitig flüchten können und waren auf einen der Nordthürme gestiegen, von wo aus sie noch einige Zeit den Feind abzuwehren vermochten. Erst als sie von der feindlichen Masse schon fast erdrückt wurden, boten sie – freilich zu spät – ihre Ergebung an und ließen sich nun widerstandslos von den heraufstürmenden Feinden hinschlachten. 333 Bald hätten die Römer auch noch den Ruhm gehabt, dass der Ausgang der Belagerung für sie ganz unblutig abgelaufen, wenn nicht der Centurio Antonius bei der Erstürmung als deren einziges Opfer sein Leben eingebüßt hätte. 334 Er fiel in einem Hinterhalt. Einer von denen, die sich in die Höhlen geflüchtet hatten – und das hatten viele gethan – bat nämlich den Antonius flehentlich, ihm doch zum Zeichen der Gnade und zur Nachhilfe beim Heraufsteigen aus der Höhle seine Hand zu reichen. 335 Antonius war so unvorsichtig, es zu thun und, ehe er sich’s versah, hatte ihm der Jude von unten herauf den Spieß in die Weichtheile gerannt, so dass er auf der Stelle genug hatte.

336 (36.) An jenem Tage nun räumten die Römer zunächst mit der Masse von Menschen auf, die sie ober der Erde antrafen; an den folgenden aber durchstöberten sie die unterirdischen Verstecke und giengen jenen zu Leibe, die in den geheimen Gängen und Höhlen sich befanden. Sie nahmen dabei auf kein Alter Rücksicht und schonten nur unmündige Kinder und Frauen. 337 An solchen Gefangenen machte man insgesammt 1200, während die ganze Zahl der bei der Erstürmung und in den früheren Kämpfen Umgekommenen sich auf 40.000 belief. 338 Vespasian ließ darauf die Stadt dem Erdboden gleichmachen und alle Festungswerke in Brand stecken. 339 Das ist der Verlauf der Einnahme von Jotapata. Sie war im dreizehnten Jahre der Regierung Neros am Neumond des Panemus erfolgt.


Achtes Capitel.
Josephus in der Höhle von Jotapata. Verhandlungen mit den Römern und den Gefährten. Tod der letzteren. Josephus wird vor Vespasian gebracht. Seine Vertheidigung und Begnadigung.

340 (1.) Die Römer begannen nun eifrig die Suche nach Josephus, sowohl um ihre eigene Rache an ihm zu kühlen, als auch ganz be-

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 272. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/272&oldid=- (Version vom 1.8.2018)