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ein geradezu vorzügliches Trinkwasser; 507 denn sein Nass hat vor dem dicken Sumpfwasser den Vorzug, das es ganz dünnflüssig ist, und da sein Gestade auf allen Seiten in scharfe Uferlinien und Sandflächen ausläuft, so bleibt das Wasser auch rein. Dasselbe hat dann, wie man es schöpft, schon die rechte Temperatur, indem es milder, als Fluss- oder Quellwasser, aber doch immer frischer ist, als man es von einer so ausgedehnten Wasserfläche erwarten möchte. 508 Ja, wenn man das geschöpfte Wasser im Freien stehen lässt, wie es die Anwohner in Sommernächten zu thun pflegen, so gibt es sogar dem Schneewasser an Kälte nichts nach. Die Fischarten, die sich im See finden, haben im Vergleich mit den anderswo vorkommenden einen eigenthümlichen Geschmack und Körperbau. 509 Der See wird mitten vom Jordan durchschnitten, dessen Quelle scheinbar bei Panium entspringt, während er in Wirklichkeit aus dem sogenannten Phialesee entsteht und von da unter der Erde nach Panium seinen verborgenen Lauf richtet 510 Den Phialesee selbst trifft man 120 Stadien von Cäsarea entfernt, auf dem Wege zur Trachonitis hinauf, rechter Hand und nicht weit von der Straße. 511 Was den Namen anlangt, so hat der See von dem kreisförmigen Umfang seine natürliche Bezeichnung Phiale oder Schale bekommen. Der Wasserspiegel deckt sich bei ihm stets mit dem Rande, ohne je darunter hinabzusinken oder ihn zu überschreiten. 512 Erst von Philippus, dem Tetrarchen der Trachonitis, wurde der bis dahin unbekannte Ursprung des Jordan aus diesem See in der Weise ermittelt, 513 dass er Spreu in den Phialesee werfen ließ, die er dann beim Panium, dem von den Alten festgehaltenen Ursprung des Flusses, wieder an die Oberfläche kommen sah. 514 Das von Natur aus schon reizend gelegene Panium wurde übrigens auch noch mit königlichen Prachtbauten verschönert, auf die Agrippa seine reichsten Mittel verwendete. 515 In der daselbst befindlichen Grotte fängt nun das offene Gerinne des Jordan an, der hierauf die Sümpfe und das Marschland des Semechonitischen Sees durchquert und nach Zurücklegung von weiteren 120 Stadien unterhalb der Stadt Julias den See Gennesar mitten durchschneidet, um dann nach Durchmessung einer ausgedehnten wüsten Strecke sich in den Asphaltsee zu ergießen.

516 (8.) An dem See Gennesar zieht sich ein gleichnamiger Landstrich von wunderbarer Triebkraft und Anmuth hin. Der Boden ist so fett, dass er sich mit was immer für Gewächsarten bepflanzen lässt, wie denn auch die Bewohner in der That hier alles mögliche angebaut haben. Ueberdies herrscht ein temperiertes Klima, welches für die verschiedenartigsten Producte wie berechnet erscheint. 517 So grünen hier sogar eine Unzahl von Nussbäumen, die bekanntlich die kältesten

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/291&oldid=- (Version vom 1.8.2018)