Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/346

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

aufschlug. 450 Am nächsten Tage erreichte er Jericho, wo sich bereits Trajan, einer seiner Unterfeldherrn, an der Spitze der Truppen von Peräa mit ihm vereinigen konnte, da das jenseits des Jordans gelegene Gebiet jetzt in den Händen der Römer war.

451 (2.) Der größte Theil der Bevölkerung hatte sich noch bei Zeiten vor den anrückenden Römern aus Jericho in das Gebirgsland, Jerusalem gegenüber, geflüchtet, aber ein nicht unbedeutender Rest, der sich verspätete, fiel unter dem feindlichen Schwerte. 452 Die Stadt hatten die Römer sonst ganz ohne Vertheidiger getroffen. Jericho selbst liegt auf einer Ebene, aber der Stadt gegenüber erhebt sich ein langgestrecktes, kahles und unfruchtbares Gebirge, 453 das sich nach Norden hin bis zum Gebiete von Scythopolis, im Süden aber bis zum Lande von Sodom und dem Ende des Asphaltsees ausdehnt. Es ist von wild grotesken Formen und hat infolge seiner Unfruchtbarkeit keine Ansiedler. 454 Diesem Gebirge liegt der Höhenzug am Jordan gegenüber, der von Julias und den dortigen Bergen im Norden ansetzt und parallel mit ihm gegen Süden verläuft bis Gomorra, das schon die Grenze gegen das Gebiet von Petra in Arabien bildet. Zu diesem Gebirgszuge gehört auch der so genannte Eisenberg, der sich bis zur Moabitischen Landschaft erstreckt. 455 Der zwischen beiden Gebirgsketten in der Mitte liegende Streifen Landes heißt die große Ebene. Sie reicht von Ginnabris bis zum Asphaltsee 456 und hat eine Länge von 1200 und eine Breite von 120 Stadien. Sie wird vom Jordan mitten durchflossen und besitzt zwei Seen von ganz entgegengesetzter Natur, den Asphaltsee und den See von Tiberias, von welchen der erste salzig und ohne Leben, der von Tiberias aber ein Süßwassersee voll lebender Wesen ist. 457 Zur Sommerszeit wird die Ebene förmlich ausgesengt, so dass sie infolge der außerordentlichen Trockenheit stets eine ungesunde Dunsthülle über sich gelagert hat. 458 Alles ist ja dann nur eine einzige wasserlose Steppe, mit Ausnahme des Jordanlaufes, woher es auch kommt, dass die Palmen an den Flussrändern viel üppiger blühen und eine reichlichere Ernte tragen, als die weiter abstehenden, die weniger ergiebig sind.

459 (3.) Nur in der Nähe von Jericho gibt es eine reichliche und für Bewässerungsanlagen äußerst ergiebige Quelle. Sie entspringt bei dem alten Jericho, der ersten Stadt, die Jesus, der Sohn des Nave, der Anführer der Hebräer, im Chanaaniterlande mit stürmender Hand genommen. 460 Von dieser Quelle wird überliefert dass sie anfänglich nicht allein Boden- und Baumfrüchte, sondern selbst die Leibesfrucht erstickt und überhaupt nach jeder Hinsicht sich als gesundheitsschädlich und verderblich erwiesen habe, dann aber von dem Propheten Elisäus

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 346. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/346&oldid=- (Version vom 1.8.2018)