Seite:Katzenschlucker.djvu/77

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und rührte seinen Zauberstab — und schon fügten sich die vier Schweinsviertel ineinander und im nächsten Augenblicke schob sich mit freundlichem Grunzen ein stattliches Ferkel durch die dichten Reihen der Zuschauer dem Freien zu.

Der Gaukler lachte vergnügt auf, denn eine Weile war ihm angst und bange geworden. Es hatte doch zu lange gedauert, ehe diesmal das Zauberwunder Wahrheit geworden war. Jetzt aber, wo doch wieder die Wirkung nicht ausgeblieben war, sah er sich recht höhnisch nach Anastasius um.

Der sagte nichts, ja er sah fast etwas niedergeschlagen aus. Erst nach einer Weile meinte er:

„Ich werde jetzt einmal einen kleinen Flug um den Marktplatz machen.“

Und wirklich erhob er sich sogleich und schritt durch die Luft, als ob es fester Boden wäre, über den Köpfen der staunenden Gaffer einmal um den Marktplatz herum.

„Das ist gar nichts,“ ereiferte sich der Gaukler; „ich fliege viel höher als dieser armselige Possenreißer, ich fliege um den Domturm herum!“

Anastasius war inzwischen auf seinen früheren Platz zurückgekehrt, lächelte freundlich und nickte, als ob er sagen wollte, daß er ganz einverstanden wäre.

Und wirklich erhob sich im nächsten Augenblick der Gaukler vom Boden, immer höher, immer höher, bis er den Laubengang des Domturmes erreichte. Und den umzog er nun in schönen, langsamen Kreisen.

In der gaffenden, staunenden Menge stand Anastasius, sah sich die Sache eine Weile an und sagte dann:

„So, das wäre wohl genug für heute! Der Herr Kollege wird gewiß noch einige Stunden die frische Luft dort oben genießen wollen und ich habe jetzt einen rechten Hunger auf meinen Jausenkaffee. Morgen früh können wir ja weiter zaubern! Grüß Gott allseits!“

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Slawitschek: Anastasius Katzenschlucker, der große Zauberer. Vlg. des Deutschen Kulturverbandes, 1929, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Katzenschlucker.djvu/77&oldid=- (Version vom 21.5.2018)