Seite:Keyserling Wellen.pdf/119

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ich ein Bild male, weiß ich denn, ob es etwas ist oder nicht?“

„Und erst ich,“ unterbrach ihn Hilmar, „wenn ich eine Stunde Rekruten gelehrt habe sich wie Holzpuppen zu bewegen, wie soll ich da Befriedigung über ein Resultat fühlen?“

„Ach ja,“ meinte Hans und gähnte, „es ist schade, daß das Leben so selten bar zahlt.“

Es entstand wieder eine Pause. Doralice war auf ihrem Sessel eingeschlafen, das Gesicht, sehr bleich mitten in den blauen Schatten des Morgens, erhielt von der friedlichen Hilflosigkeit des Schlafes eine wunderbar kindliche Schönheit. Die beiden Männer saßen jetzt ganz stille da und schauten andächtig auf dieses schlafende Gesicht. Endlich erhob sich Hilmar, reichte Hans die Hand und flüsterte: „Ich gehe, die Sonne kommt.“ Dann ging er leise hinaus.

Draußen war es schon taghell, über dem Horizonte schossen die ersten goldenen Strahlen empor. Hilmar ging sehr schnell, er wollte zu Hause sein, ehe die Sonne da war. Er wunderte sich über sich selber. Warum fühlte er sich elend? Die kleine Lolo hatte wohl recht, diese Frau war so schön, daß man traurig wurde, oder wie sagte doch der Maler „Katzenjammer der Weite, in

Empfohlene Zitierweise:
Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 119. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/119&oldid=- (Version vom 1.8.2018)