Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/118

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So ganz ohne schöne Lebensmanier ist das Schwein auch nicht. Nach katholischen Legenden soll es sich sogar vor heiligen Personen demütig verbeugen.

Wenn das Schwein in mehr als einer Gegend von Italien Haustier im buchstäblichen Sinne des Wortes ist, so wird es doch in keiner so geachtet und geliebt, wie in Calabrien, wo ein Mönch einst in seiner Predigt enthusiastisch ausrief: „Se il porco avesse lali, sarebbe simile al angelo Gabriele!“ (Hätte das Schwein Flügel, würde es dem Engel Gabriel gleichen.)

Wie in Vlämisch-Belgien die Redensart „tis een straetverken“ (es ist ein Straßenschwein) noch immer an die bevorzugte Kaste der Schweine des heiligen Antonius erinnert, welche sich des Vorrechtes erfreuten, überall ungehindert herumlaufen zu dürfen, so scheinen die Schweine in Calabrien die Erben der ehemaligen Antonssäue geworden und im Besitze der Freiheiten derselben geblieben zu sein. Wenigstens trifft man sie überall an. Sie gehen auf der Piazza ganz ungeniert spazieren, stecken ihre Nase oder ihren Rüssel in jedes Kaffeehaus, bei dem sie vorüber wandeln, und beliebt es ihnen, so laufen sie auch in die Kirche und wohnen der Messe bei. Tritt man aber in irgendeine Wohnung, so findet man unter dem Bette einen Trog und bei diesem ein Schwein. Daß dieser Trog nicht leer ist, gehört zu den Hauptsorgen des Calabriers, weshalb er auch den Rat erteilt: Kaufe dir ein Schwein für einen Carlin, aber laß es einen vollen Trog finden.

Befindet sich eine Sau in interessanten Umständen und naht der Tag heran, an dem sie werfen soll, dann ruft man direkt den Schutz der heiligen Maria an und sticht auch den heiligen Antonius zu gewinnen, indem man ihm ein Ferkel gelobt. Mann und Frau gehen in die Kirche der Kapuziner und beten inbrünstig:

Modonna mia,
Fammi figliar la frisinghella mia,
E sanamente,
E felicemennte,
Partorisse sette porcelli,