Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/3

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I.
Hexen.

Die Kulturgeschichte hat überzeugend bewiesen, daß sich der Aberglaube mit jeder Religionsform friedlich verträgt; derselbe mag eine Zeitlang ins Verborgene gedrängt, niemals aber wird er gänzlich unterdrückt werden. Schon der allen Religionssystemen eigene Dualismus, also der Glaube an das Walten zweier sich feindlich bekämpfender Mächte, bewirkt, daß der Teufel und seine Helfershelfer nicht ignoriert werden dürfen, auch schon deshalb nicht, weil ihre Existenz durch die Bibel sanktioniert ist. Deshalb sagt auch John Wesley, der Gründer der Methodistenkirche, allen Ernstes, daß derjenige, welcher z. B. die Existenz der Hexen verneine, die Wahrheit der Bibel leugne.

Die Hexen stellten ursprünglich die im Wind und Wetter wirkenden Naturkräfte dar und hatten als solche natürlich weitgehenden Einfluß auf das Wohl und Wehe der Menschen. Als Hainbewohnerinnen – daher ihr Name – standen sie mit der Gottheit in unmittelbarem Verkehr und konnten deshalb, wie die gewöhnliche Redensart lautet, mehr als Brot essen. Es waren also weise Frauen, deren Rat häufig verlangt und stets geschätzt wurde. Auch das englische witch, das slavische vjestica und das lateinische saga bedeutet eine weise Frau. Unter dem lateinischen Worte strix, das vielfach für Hexe gebraucht wurde, ist eigentlich ein Nachtvogel oder ein Vampyr zu verstehen, der schlafenden Kindern das Blut aussaugt. Volatica heißt die Hexe im Lateinischen in Hinsicht auf ihr nächtliches Herumfliegen, und anus cautatrix in Bezug auf ihre Zaubersprüche. Das englische hag ist mit Hexe oder Hagesse etymologisch verwandt; man versteht jetzt darunter eine alte, runzliche, arme und verachtete Frau. – In Siebenbürgen werden die Hexen heute noch „gute Frauen“ genannt. Da aber ihr weiser Rat von den Christen auf heidnische Inspiration zurückgeführt wurde, so war es kein Wunder, daß diese