Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/35

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waren, wie ihre Stammesgenossen in der alten Heimat, so huldigten sie natürlich auch dem Hexenglauben und taten ihr Möglichstes, den Einfluß des Teufels in den amerikanischen Kolonien zu brechen. Wie viele Hexen und Hexer damals hingerichtet wurden, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden, da nur die in Salem inszenierten Hexenverfolgungen bis jetzt einen zuverlässigen Historiker, C. W. Upham nämlich,[1] gefunden haben. Die erste in Neuengland (1648) am Galgen verendete Hexe war Margarete Jones; die zweite Anne Hibbins (1656), die Witwe eines reichen Bostoner Kaufmanns, welcher mehrere einflußreiche Stellen bekleidete, aber kurz vor seinem Tode sein bedeutendes Vermögen durch unglückliche Spekulationen verloren hatte. Die Witwe hatte damals weder Neigung noch Verständnis besessen, mit wenigem hauszuhalten und war durch die unausbleiblichen Folgen so mürrisch und zänkisch geworden, daß niemand mit ihr verkehrte. Den Zorn der Frauen forderte sie besonders dadurch heraus, daß sie dieselben verleumdete, und da sie außerdem mehr Kenntnisse besaß, als irgend eine andere Bostonerin, so mußte sie natürlich eine Hexe sein. Sie wurde aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen, und damit war ihr Schicksal besiegelt.

Die Hexenverfolgungen in Salem fanden unter Gouverneur William Phipps, einem ehemaligen Schiffszimmermann, statt. Er hatte erst als junger Mann lesen und schreiben gelernt, dann eine reiche Witwe geheiratet und darauf einen Schiffsbauhof errichtet, in dem er schweres Geld verdient hatte. 1690 ließ er sich von dem tyrannischen Geistlichen Cotton Mather taufen, einem jener Zeloten, der da glaubte, vor Ankunft der Puritaner sei Neuengland ein Reich des Teufels gewesen. Da damals der Blitz, ein Geschoß des Satans, lieber in einen Kirchturm als in


  1. C. W. Upham, Salem Witchcraft; with an account of Salem village, and a history of opinions on witchcraft and kindred subjects. 2 vols. Boston 1867. – Eine Biographie Uphams veröffentlichte G. E. Ellis in den „Proceedings of the Massachusetts historical society“ (Dezember 1876). – Eine ziemlich ausführliche Darstellung der amerikanischen Hexenprozesse befindet sich in meinem Buche „Kulturhistorisches aus dem Dollarlande“, Basel 1892.