Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/91

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dir Gelds die Fülle geben.“ Er überredete sie mit vielen Worten, daß sie zuletzt wich, Gott absagte und mit dem Teufel buhlte. Nach Monatsfrist kam ihr Buhler wieder und reichte ihr einen Besen zu, darauf sie ritten durch dick und dünn, trocken und naß auf den Berg zum Tanz. Da waren noch anderer Weiber mehr, deren sie aber nur zwei kannte, und die eine gab dem Spielmann zwölf Pfennig Lohn. Nach dem Tanze wurden die Hexen eins und taten zusammen Ähren, Reblaub und Eichenblätter, damit Korn, Trauben und Eicheln zu verderben; es gelang aber nicht recht damit, und das Hagelwetter traf nicht, was es treffen sollte, sondern fuhr nebenbei. Ihr selbst brachte sie damit ein Schaf um, darum daß es zu spät heimkam.

Ein von Dr. Haas nach mündlicher Mitteilung aufgezeichnetes Märchen aus Rügen[1] lautet:

Ein Mann ging in der Walpurgisnacht durch einen Wald auf der Insel Rügen. Er verirrte sich jedoch und kam endlich an eine freie Stelle im Walde. Hier sah er grauenhaftes Getümmel; Katzen, Ziegenböcke und Hunde balgten sich miteinander. Als sie nun den Wanderer erblickten, schrien sie wie aus einem Halse: „Du sollst uns zu unserem Tanze blasen.“ Man reichte ihm ein Blashorn, und er mußte tüchtig blasen. Um 1 Uhr war alles verschwunden. Als sich der Wanderer nun sein Blashorn besah, da war es eine tote Katze, welcher er die Gedärme aus dem Leibe gesogen hatte.

Der Blocksberg Hinterpommerns liegt bei Zemmin. Ein Mann aus Warbelin erzählte, daß ein Schäfer dort auf eigentümliche Weise eine Hexenversammlung angesehen habe. Derselbe fand nämlich einige Knorren von einem ziemlich verfaulten Sarge, die er zu einem Gestell zusammenfügte. Damit ging er in der Neujahrsnacht zwischen elf und zwölf Uhr auf den Blocksberg und setzte sich unter eine Egge. Durch das Gestell konnte er die Hexen tanzen sehen; auch bemerkte er, daß auf verschiedenen Blas-Instrumenten zum Tanzen aufgespielt wurde. Einer der Musikanten spielte Klarinette, das war der Schwanz einer lebenden Katze.[2]


  1. Rügensche Sagen und Märchen. Greifswald 1891.
  2. O. Knopp, Volkssagen aus dem östlichen Hinterpommern.