Seite:Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg.djvu/76

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Die Schule.

Vor der Reformation gab es keine eigentlichen Volksschulen. Der ganze Unterricht bestand in Mittheilung abenteuerlicher Legenden und Wunder der sogenannten Heiligen, so wie in Unterweisung in den vielfachen Ceremonien und Gebräuchen der katholischen Kirche. Auf Mittheilung nützlicher Kenntnisse, auf Unterricht in der Religion und Veredlung des Herzens ward nicht gesehen. Wer die religiösen Ceremonien beobachtete, Freitags und in der Fastenzeit kein Fleisch aß, die Messe besuchte, Wallfahrten nach besonders wunderthätigen Heiligenbildern unternahm, Kirchen und Klöster beschenkte, der galt, mochte sein Leben übrigens noch so anstößig sein, in damaliger Zeit für einen rechtgläubigen, vortrefflichen Christen.

Nach der Reformation wurde es anders. Luther ist der Urheber des Deutschen Volksunterrichts. Im Jahre 1529 schrieb er den kleinen Katechismus, der ein wahres Volksbuch geworden, und in das religiöse Bewußtsein des Deutschen (evangelischen) Volks übergegangen ist. Auch seine Bibelübersetzung trug dazu nicht wenig bei.

Auch in Rothenburg wurde gewiß zugleich mit der Einführung der Reformation die Nothwendigkeit eines christlichen Religionsunterrichts gefühlt, damit die Jugend nicht in Blindheit heranwachse, und in die kaum verlassenen Irrthümer zurückfalle. So mochte der erste Schulunterricht sich nur mit Lesen und dem Lernen des Katechismus befassen, und es blieben diese beiden Unterrichtsgegenstände die hauptsächlichsten und fast einzigen bis in die neuere Zeit, wo Schreiben und Rechnen, Naturkunde, Erdbeschreibung und andere nützliche