Seite:Letzte Stunden, Tod und Begräbniß des hochwürdigen Herrn Pfarrers Wilhelm Löhe.pdf/12

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mit seinem Hirtenstabe durch dies arme Leben, bis wir unter seiner persönlichen Führung gehen werden auf ewigen Auen;

 Angerufen sei Gott der heilige Geist, daß Er uns heimsuche mit seinem kräftigen Troste, uns mit Gnaden beiwohne, von uns nicht weiche im Leben und im Sterben und dereinst uns aus diesem Jammerthal aushelfe zu dem himmlischen Reiche unsers HErrn Jesu Christi, der mit dem Vater in Einigkeit desselbigen heiligen Geistes sei hochgelobt in Ewigkeit! Amen.

 Darauf beteten wir wieder abwechselnd den 51. Psalm nach gewohnter Sitte bis zum 10. Vers: „Laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Der Schwesternchor stimmte das Nunc dimittis an und darauf bliesen langtönend die Posaunen der Brüder zum Aufbruch.

 Unter den Klängen des Reiseliedes: O Jesu Christ, meines Lebens Licht etc. setzte sich um die Mittagsstunde der endlose Zug vom Pfarrhause aus in Bewegung zum Gottesacker, dem auf seiner kleinen Anhöhe so feierlich und friedlich gelegnen Cömeterium. Voran das Bild des Gekreuzigten, dann die Brüder mit ihren Posaunen, darauf die gesammte Schuljugend mit den Lehrern des Distrikts, dann die zum Leichenbegängniß erschienenen Capitularen, hinter den funktionirenden Geistlichen die theure Leiche, getragen von den Kirchenvorständen, denen die Missionsschüler zur Seite giengen. Zunächst nach dem Sarg giengen die drei Kinder des Entschlafenen und die Verwandten, eine Vertretung des Diakonissenhauses, dann die Freunde des Seligen und die zum Leichenbegängniß erschienenen Fremden, die Gemeindeverwaltungen des Pfarrdorfs und der imparochierten Ortschaften, sodann das gesammte Diakonissenhaus, endlich die Dorfgemeinde und wer sich sonst anschließen wollte. Eine große Menschenmenge hatte bereits den der Gruft benachbarten Raum des Gottesackers und den angrenzenden Theil der Kirchhofmauer besetzt.

 Der Sarg wurde vor der Gruft niedergesetzt, und der jüngere Vicar des Pfarrers nahm nun die liturgische Feier der Einsegnung ganz nach der Löhe’schen Agende vor.

 Nach geschlossener Feier sangen die Lehrer des Distrikts unsers seligen Hirten Lieblingschoral: HErr, wie du willst, so schicks mit mir etc., darauf wurde der Sarg mit den sterblichen Überresten des großen Todten in die Gruft gesenkt, seine Nächsten und Freunde stiegen die Stufen der Gruft hinab und legten Gewinde und Blumenschmuck die Fülle und Palmenzweige der Überwinder auf den Sarg. Noch ein letzter Blick in die Ruhestatt und das Schlafkämmerlein des hochgeliebten Todten, dann schloß der älteste Sohn die Gruft, und der Zug kehrte heimwärts. Gar mancher wollte sich auch jetzt noch nicht darein finden, daß es an der Kirche vorüber, statt in die Kirche zur Anhörung der nach Gewohnheit erwarteten