Seite:Letzte Stunden, Tod und Begräbniß des hochwürdigen Herrn Pfarrers Wilhelm Löhe.pdf/5

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 Es ist dem Schreiber dieses der Auftrag zu Theil geworden, die letzten Stunden und den Tod des sel. Herrn Pfarrers Löhe zu Lieb und Dienst der vielen Tausende, die ihn im Leben kannten und verehrten, in diesen Blättern zu beschreiben. Mit Wemut und doch auch seliger Freude sich in die Erinnerung der unvergeßlichen Tage versenkend, die wir in der ersten Woche des Januar mit einander durchlebten, schickt er sich an, dieses Auftrags sich zu entledigen.

 Die Einleitung und Einweihung zu dem letzten Abschnitt des großen Lebens, das sich nun vor unsern Augen geschlossen hat, die Bereitung des Seligen für seinen Todesgang, war sein letztmaliger Empfang des heil. Sakraments am 24. Dezember, den IV. Adventssonntag. Nach dem Schluß der Frühkirche gieng ich, der Schreiber dieses, ins Pfarrhaus, um mich nach dem Befinden des kranken Pfarrers zu erkundigen. Es hatte sich nämlich in Folge heftigen Erbrechens bei ihm ein Zustand der Schwäche eingestellt, der indessen – weil als Folge eines Diätfehlers erkannt – weder dem Arzte noch den Seinigen besondere Besorgniß einflößte. Ich war daher auf den ernsten Empfang, den ich bei ihm fand, nicht gefaßt. Er allein beurteilte sich an jenem Tage richtig. „Herr Vicar – sagte er, mit jenem eigentümlichen Beben, das in den Jahren seiner Schwachheit bei jeder Gemütsbewegung die Glieder durchschauerte, reichen Sie mir das Sakrament. Man sagt mir zwar, daß mein Zustand nicht so ernst sei, ich aber glaube es, ich will mich auf meinen Tod bereiten, ich will für alle Fälle gefaßt sein.“ „Herr Pfarrer, wann soll ich es Ihnen reichen? Ich stehe Ihnen jeden Augenblick zu Diensten.“ Wieder jenes Beben, das uns allen bekannt in den Jahren der Schwachheit die sonst so heldenstarke Seele erschütterte, und darauf sagte er mit großer Bestimmtheit: „Jetzt gleich.“ Ich eilte, seinen Willen zu thun. Mit jenem großen Ernst der Andacht, der ihm eigen war, empfing er das h. Sakrament.

 Ich rief ihm um der Weihnachtsnähe willen beim Weggehen jenen schönen Vers des lateinischen Kirchenliedes ins Gedächtniß:

Se nascens dat in socium,
Convescens in edulium,
Se moriens in pretium,
Se regnans dat in praemium.