Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/45

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Nr. 63. Was kümmert mich die ganze Welt?
Mel.: O alte Burschenherrlichkeit.

1. Was kümmert mich die ganze Welt, sitz ich auf meinem Rade, – Ich bin vergnügt und singe froh: es ist doch jammerschade, – Daß selbst das große Publikum noch so beschränkt, so herzlich dumm – Und hält, was doch so räthlich, für ungesund und schädlich.

2. Die Götter sind dem Sporte hold, besonders der Gambrinus; — Auch Pluvius, der Regenwurm, jedoch schon etwas minus, – Herr Aeolus oft gar nicht frommt, weil er uns meist entgegen kommt, – wofür die armen Kranken gar freundlich sich bedanken.

3. Das muß ein schlechter Fahrer sein, der nicht beim Frührothscheine – Den Schlaf sich aus den Augen reibt und macht sich auf die Beine. – Dann saust er hin gleich einem Pfeil und brüllt von Zeit zu Zeit All Heil, – All Heil! ihr Kameraden, Gott stärke eure Waden.

4. Ob jemand nun Pneumatik fährt, ob Dunlop oder Tlincher, – Ob jemand einen Affen hat, ob einen Affenpinscher, – Im Grund genommen ist das gleich, er kommt doch in's Himmelreich. In's Himmelreich? Ja woll ja! — Das ist schon lange voll ja.

5. Wird man nun alt, die Glieder steif und ftießt das Blut andante, – So laß ich doch vom Sport nicht ab und mach' ihm keine Schande. – Der Doctor hilft beim Training mir, ich nehm' ein letztes Elixir, – Dann lös' ich alle Zweifel und fahr' vergnügt zum Teufel.

Victor E. Stuhl, Berlin.     
Nr. 64. Raderlust.
Mel.: O alte Burschenherrlichkeit.

1. Wenn dich der Griesgram packt mit Macht, sind überreizt die Nerven, – Gelingt dir's nicht bei Tag und Nacht die Sorgen abzuwerfen: – So eil' mit deinem treuen Rad frühtags aus dem Gewühl der Stadt, – Fahr schnell hinaus ins Freie, daß sich dein Geist erneue.

2. Wie scheint die Sonne klar und hell, dich grüßen Wies und Auen. – Du eilst vorbei an Bach und Quell', hoch über dir im Blauen – Zieh'n Vögel singend durch die Luft, und Gottes Welt dir laut zuruft: – „Laß ab von deinen Sorgen, denk' heut' nicht an das Morgen!"

3. Nun nimmt dich auf der grüne Dom mit seinen weiten Hallen, – In ihm pulsirt des Lebens Strom, Befreiung bringt er allen. – Horch! aus dem grünen, kühlen Wald All Heil! es dir entgegen schallt, – All Heil auf deinen Wegen, mit dir des Himmels Segen!