Seite:Liederbuch des Gau 19 Rostock des Deutschen Radfahrer-Bundes 1900.pdf/44

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Nr. 61. Kühn, kräftig, klug und kummerfrei.
Mel.: Stimmt an mit Hellem, hohem Klang.

1. Kühn, kräftig, klug und kummerfrei im Denken und Beginnen! – Sei deutschen Radlers Feldgeschrei, will er die Welt gewinnen.

2. Kühn, wenn durch's Land er eilt so jach, wie mit des Adlers Schwingen, – Wenn ihn Gefahr und Ungemach zu Muth und Thatkraft zwingen.

3. Kann kraftvoll, wie des Sturmes Weh'n, von Höh' zu Höh' er schweifen, – Dann bleibt der Neider staunend steh'n und mag es nicht begreifen.

4. Klug sei er allezeit und treu in seines Geistes Regung – Machts doch den Kopf so klar, so frei, heilbringende Bewegung.

5. Kein kummerfrei'res Dasein kann man auf der Erde finden, – Als frisch und frei durch Held und Tann zu jagen mit den Winden.

6. Kühn sei sein Thun und keck sein Muth, damit er Kraft gewinne, – Klug sei sein Denken, kühl sein Blut und kummerfrei die Sinne.

Radf.-Verein „Sport", Berlin. .     
Karl Hedrich.     
Nr. 62. Radfahrers Testament.
Mel.: Ihr Brüder, wenn ich nicht mehr trinke.

1. Ihr Brüder, wenn ich nicht mehr fahre und unbenutzt mein Stahlroß steht, – Dann liege ich bald auf der Bahre, ja, dann's mit mir zu Ende geht. – Doch komm' der Sens'mann, wann er wolle, ich bin zu sterben stets bereit, – :,: Nur jeder treue Fahrer zolle noch dem Begräbniß etwas Zeit. :,:

2. Doch machet nur nicht viel Getose mit meinem Sarg und dem Gewand, – Laßt ruh'n mich in der Fahrerblouse, die Trillerflöte in der Hand. – Begrabt mich in der Fahrschulhalle, wo ich so manche Runde fuhr, – Wo ich auch schon mal kam zu Falle, ihr Freunde, da begrabt mich nur. :,:

3. Daß ich nun auch kann weiter fahren, wenn ich in jener Welt erst bin, – Schickt mir, ihr lieben Kameraden, zum Jenseits mein Bicycle hin. – Weil ich nun nicht war fomm auf Erden, seh'n ich mich nach der Hölle Licht, – :,: Denn sollt' ich Himmelsbürger werden, so litt der Gott das Fahren nicht.

Bielefelder Velociped-Klub.     
L. Cammerecker.