Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/121

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Auch beim Braten des Hasen werden folgenschwere Fehler begangen; manche Hausfrauen verlangen, der Hase solle Hautgout haben, und lassen ihn solange unter dem Küchenfenster hängen, bis er aus Ekel vor sich selbst aus der Haut fährt. Länger wie acht Tage darf der Hase nicht hängen. Dann muß er gut gespickt und schnell gebraten werden. Wird der Hase richtig gebraten, so muß die Köchin einen Anfall von Hitzschlag erleiden. Wer mehr als zwei Gäste zum Hasenbraten einladet, ist ein Mensch ohne Gemüt, und wer keinen sehr alten, sehr guten Rotspon dabei gibt, verrät wenig Herz und hat keinen Anspruch auf unsere Freundschaft.

Der Hase ist leichter zu verdauen als zu erlegen; für die meisten Schützen ist er vorn zu schnell und hinten zu kurz. Die Art, ihn zu erlegen, ist verschieden. Ungebildete Leute fangen ihn in Schlingen. Ihn auf dem Anstand zu schießen, gilt für unanständig; als weidmännische Jagdart gilt es, wenn der Mensch in hellen Haufen zusammenströmt und ihn zu Hunderten erschlägt. Dem Hasen selbst kommen alle Jagdarten gleich gemein vor.

Nach allgemeinem Volksglauben frißt der Hase am liebsten Kohl. Das ist Kohl; weder Weiß- noch Rotkohl, weder Braun- noch Sauerkohl reizt ihn, wenn er etwas anderes hat. Erst wenn der Schnee fußhoch liegt, frißt er Kohl, bekommt aber meist die Kolik oder Cholera hinterher.

Nach dem Volksglauben schläft der Hase mit offenen Augen. Das ist ebenfalls nicht richtig. Woher dieser Glaube kommt, weiß man nicht; wahrscheinlich daher, weil die meisten Menschen beim Beobachten die Augen zuhaben.

Es gibt zwar Hühnerhunde, aber keine Hasenhunde. In der Hühnerjagdzeit bekommt der Hund Schläge, wenn er einen Hasen steht, in der Hasenjagdzeit, wenn er die Hühner sieht. Bald heißt es: „Pfui Has!“ und bald: „Pfui Vogel!“ Infolgedessen werden die meisten Hunde so verwirrt, daß sie

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Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 115. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/121&oldid=- (Version vom 1.8.2018)