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auch meine Angelegenheiten und ich bin ganz allein verantwortlich dafür.“

Ich küßte ihr die Hand und empfahl mich, denn ich wußte es, noch eine solche Frage und Meyer flog achtkantig die Treppe hinunter, und so nahm ich ihn an dem Arm und stiefelte von dannen. Unterwegs schimpfte er Mord und Brand und wurde, als ich ihm sagte, ich verböte mir eine unangemessene Kritik meiner verehrten Freundin, ziemlich ausfallend und meinte, er verstände es nicht, wie ich als anständiger Mensch bei einer Frau verkehren könnte, die ganz ungescheut ihre Waden zeige, und von der man nicht wisse, ob sie verheiratet, geschieden oder sonst etwas sei, und da wurde ich grob, nannte ihn einen Philister und schlug mich seitwärts in die Büsche.

Die ganze Woche sah ich ihn nicht, bis ich ihn gestern zufällig traf. „Sie, Meyer,“ sagte ich und holte ein Schächtelchen aus der Tasche, „ich habe etwas Feines für Ihre Käfersammlung, einen großartigen Nashornkäfer, der noch alle seine sechs Beine und ein Horn hat, wie Roosevelts bestes Rhinoceros.“ Aber Meyer lehnte ab. „Sammle keine Käfer mehr,“ sagte er, „auch keine Schmetterlinge. Will überhaupt mit der Person und ihren Fabrikaten nichts mehr zu tun haben. Ist mir zu unwissenschaftlich, zu planlos, zu unsystematisch. Kommt nichts bei heraus.“

Damit sprang er in die Elektrische. Als sie abfahren wollte frug ich: „Was sammeln Sie denn jetzt?“ Denn sammeln muß er, das weiß ich.

„Briefmarken,“ schrie er, „und Ansichtspostkarten“.

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/143&oldid=3345549 (Version vom 1.8.2018)