Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/58

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Ein Schreckenstag.

Freude herrschte in Müllers Hallen, als am Sonntag-Morgen die Sonne aus einem beinahe mehr als himmelblauen Himmel herabschien.

Der Jubel der Kinder war unbeschreiblich. Den letzten Sonntag war der geplante Ausflug verregnet; dieses Mal aber wurde etwas damit. Frau Müller säbelte im Schweiße ihres Angesichts Butterbröte; ein ganzes Fünfgroschenbrot ging dabei darauf. Herr Müller füllte zwei Zigarrentaschen und mehrere Feldflaschen, letztere mit starken und schwachen Getränken; die Kinder holten Botanisiertrommeln, Schmetterlingsnetze und allerlei Pillenschachteln herbei, denn sie gedachten seltene Beute zu machen.

Die Familie Müller hat viel Sinn für die Natur, was sie dadurch beweist, daß sie vier ganz große Goldfische in einem ganz kleinen Glase hielt, so daß die unglücklichen Tiere sich allmählich alle Schuppen aneinander abgerieben und sich Maulatmung angewöhnt haben; ferner besitzt man einen Kanarienvogel, der zwar nicht singt, aber dafür ab und zu ein taubes Ei zur Welt bringt. Früher hatte man auch weiße Mäuse gezüchtet; aber als sie einmal ausbrachen und Zweigniederlassungen in den anderen Stockwerken gründeten, hatte der Hauswirt, ein Mann ohne jedes Verständnis für zoologische Bestrebungen, mit der Kündigung gedroht, falls die weiße Mäusezucht fortgesetzt würde.

So begnügt man sich mit den vier Goldfischen, der kanarischen Legehenne und dem Getier, das man bei Ausflügen

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Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/58&oldid=3345607 (Version vom 1.8.2018)