Seite:Loens Der zweckmaessige Meyer.pdf/66

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sich mit Zwangsarbeit bezahlen. Das ist eine Gemeinheit, die nach dem Staatsanwalt schreit. Ich will nichts mehr von dem Aronstabe wissen, aber auch garnichts mehr. Er macht sich der qualifizierten Nötigung in idealer Konkurrenz mit widerrechtlicher Freiheitsberaubung schuldig. Hinaus mit dir aus meinem Herzen, du übler Patron! Ich reiße dich samt Knolle und Wurzelfasern aus, schleudere dich auf den Müllplatz meiner Erinnerung und suche mir anständigeren Verkehr.

Ich glaube, mit dem Kuhwachtelweizen läßt es sich umgehen. Er sieht so ehrlich aus mit seinen honiggelben Blüten und den himmelblauen Deckblättern darüber, die er sich der prachtvollen Komplementärwirkung halber zugelegt hat. Das heißt, wer so mit Ehrlichkeit protzt, dem soll man doch nicht zu sehr trauen. Denn weshalb hat er die Schopfblätter, die von rechtswegen doch grün sein sollen, so blau gefärbt? Doch nur deshalb, um solche Bienen damit anzulocken, die an blauen Blüten fliegen. Also arbeitet er mit Schwindelplakaten, Vorspiegelung falscher Tatsachen zu betrügerischen Zwecken. Paragraph so und so des B.-G.-B. Ich danke für die Bekanntschaft! Auch von der Osterluzei hier an der Kirchhofsmauer will ich nichts wissen, denn ihre gelben Blüten handeln genau so gemein, wie die des Aronstabes. Und ebenso macht es der Pfeifenstrauch da an der Laube. Ich fange an Pflanzenhaß und Reue in mir zu erwecken.

Aber Ausnahmen gibt es überall und wenn es auch Unsinn ist, sagt man, sie bestätigen die Regel, man nimmt sie hin, wie den Schatten des Lichtes. So schlendere ich denn fröhlich am Raine entlang, dem nächsten Wäldchen zu, freue mich am rosenroten Ohrenheil und am silberweißen Augentrost und an den lustigen Blüten des Klappertopfes, die so aufgeblasene Backen haben. Doch da fällt mir ein, alle drei sind Schmarotzerexistenzen, nicht ganz schlimme, aber immerhin doch solche, die das Wachstum ihrer Wirtspflanzen beeinträchtigen. Die Nesselseide freilich, die dort mit wirrem, rosenrotem Geranke

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer. Sponholtz, Hannover 1911, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Loens_Der_zweckmaessige_Meyer.pdf/66&oldid=- (Version vom 1.8.2018)