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51. Swîntrecker.

Anno 1316 kam der Graf von Holstein, nachdem er in seinem eignen Lande weder Trost noch Treue fand, auch eine Zeitlang auf seinem Hause zu Kiel gefangen gehalten war, nach Lübeck, zu welcher Stadt er sich alles Guten versah. Er ließ sich auch vernehmen, wenn Jemand ihm wollte baar Geld geben, wäre er nicht ungeneigt, sein Land zu verkaufen. Allein die Lübschen wollten nicht darein willigen, sondern trachteten, wie sie ihm verhülfen, daß er sein Haus wiederum einbekäme. Endlich ward es heimlich dem König von Dännemark kund; der verschaffte, daß das Land in seines Bruders Hände kam.

Dieser Graf ist sein Leben lang zu Lübeck geblieben, auch daselbst gestorben. Er mochte, doch mit Ehren, Schweine ausfüttern, was, wiewohl sonst ohne Strafe in der Stadt nicht geduldet, ihm gern vergönnet war. Etliche sagen, er hätte an die 12,000 Schweine fett gemacht und verkauft, und trefflich viel Geld damit verdient. Wie es ruchtbar ward, nannte sein Adel ihn und die Lübschen Swîntrecker.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/106&oldid=- (Version vom 1.8.2018)