Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/128

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Solches hat der König zugegeben und nachgelassen. Aber der Rath zu Lübeck ist seitdem nicht wieder erfüllt worden bis auf den heutigen Tag.


66. Till Eulenspiegel.

1350. In diesem Jahr ist der wunderbare und seltsame Mensch, der in der ganzen Welt bekannte Till Eulenspiegel, gestorben, eines Bauern Sohn aus dem Dorf Knöttlingen im Lande Braunschweig. Der hat sein ganzes Leben mit vieler Schalkheit und Listigkeit geführt: wie denn ein ganzes Buch, von ihm geschrieben, ausweist. Der letzte Athem ist ihm ausgegangen in dem zu Lübeck gehörigen Städtlein Mölln; da lehnet er begraben, an der linken Seite wenn man in die Kirchthür gehen will. Daselbst ist ein hölzern Staket und darin ein langer Leichstein, worauf er abgebildet und ausgehauen: auf dem Kopf hat er einen Hut mit Federn, und in der Hand einen Spiegel nebst einem Korb voll Eulen. Auch ist auf dem Rathhause sein großer und kleiner Panzer, und sein hölzern Trinkmaß zu sehen. Wie er nun seine ganze Lebenszeit närrisch zugebracht, ist es auch bei seiner Einsenkung ins Grab wunderlich zugegangen, indem das

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 122. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/128&oldid=3348826 (Version vom 1.8.2018)