Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/190

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Nun ist es an dem, daß ein erfahrener und wohlgelahrter Mann auf eine Zeit zur Mutter dieser drei Schwestern gekommen, da sie kleine Mägdlein gewesen. Wie sie aber vor ihm stehn, fängt er an tief zu seufzen, und offenbart der Mutter, was sie an den Kindern erleben müßte, nämlich daß sie alle drei vom Donner würden erschlagen werden. Die Mutter theilt dieß ihrem Herrn und Ehemann mit, und beide Eheleute werden darauf einig, daß sie ihre drei Kinder ins Kloster geben und bestätigen wollen.

Die Aebtissin oder Domina aber hat von der Mutter zu wissen begehrt und sie gefragt: warum sie doch die drei schönen und noch jungen Mädchen ins Kloster gäbe? Da ist ihr, jedoch im Vertrauen, die Ursache vermeldet.

Ob sie nun gleich die Mädchen ins Kloster eingenommen, hat sie doch alle Jahr, sobald es zu donnern und zu blixen angefangen, es so gehalten, daß sich alle drei auf den Friethof außerhalb des Klosters begeben müssen, damit nicht, wofern sie drinnen blieben, Andere mit ihnen verderben und umkommen möchten.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 184. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/190&oldid=3348895 (Version vom 1.8.2018)