Seite:Luebische Geschichten und Sagen.djvu/72

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erwarten, und da er kein gesatteltes Roß zur Hand hatte, lief er mit wenigen Rittern nach dem Holstenthor zu. Der Auflauf war nun mächtig, und man belief ihm die Brücke. Wie er das sah, machte er sich längs der Mauer herum nach dem Mühlenthor; aber des gemeinen Volks war in den Gassen so viel, und das Geschrei zu groß: er flüchtete sich also in die Domkirche. Deß waren die Leute zufrieden, daß er nicht davon kommen konnte; sie besetzten den Dom aufs beste; da lobte er an, daß er mit dem Burgemeister gehen wollte, wohin der’s begehrte. Also begab er sich in des Raths Hände, und sagte ihm den Gehorsam zu; die Herren Burgemeister aber baten ihn: er möchte, damit das Volk gestillet würde, mit ihnen aufs Rathhaus gehn. Da ließen sie ihm ein feines Gemach zurichten, wie sie in der Eile konnten, und sagten ihm, er möchte nur wenige Tage Geduld haben. Als nun das Wesen täglich stiller ward, bestellten die Herrn, daß man den Grafen so genau nicht bewachen solle; also brachten seine Diener um Mittag, als Jedermann zu Tische saß und die Thüren zuhielt, ein gesatteltes Pferd, ließen ihn zum Fenster hinaus, und eilten flugs mit ihm davon. Und war dieser Handel den Regenten der Stadt lieb, daß der Graf nur so davon gekommen; denn was die andere That mit dem erstochenen Edelmann belangte, das gedachten sie auf eine andere Zeit wohl mit ihm zu schlichten.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/72&oldid=3349167 (Version vom 1.8.2018)