Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/117

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der Umstände, die mich wiederholt mit Glücksfällen bedacht hat, wurde ich an einem der letzten Novembertage dorthin verschlagen. Die Batterie ist im Park aufgefahren und vorübergehend nicht in Tätigkeit. Offiziere und Mannschaft führen ein behagliches Garnisonleben. Parkdienst und einige Stunden Exerzieren, um die Glieder beweglich und die Strammheit und militärische Zucht aufrecht zu halten, das ist ihre tägliche Beschäftigung. Um so besser für den berichterstattenden Besucher, der hier bei den österreichisch-ungarischen und deutschen Offizieren mit ungekünstelter kameradschaftlicher Herzlichkeit aufgenommen wird, so daß dem Schweizer ganz heimisch dabei wird. Sie haben Zeit, mir alles zu zeigen und zu erklären, was gezeigt und erklärt werden darf. Der Batteriechef ist ein Ungar, gebürtig aus Budapest. Echtes temperamentvolles Magyarenblut. Aus seiner ein wenig mit ungarischer Klangfarbe abgetönten niederösterreichisch-deutschen Mundart, die er vollkommen beherrscht, da er in Österreich gedient hat, sprudeln die Worte wie ein übermütiger Bergbach. Ein Witzwort jagt das andere. Aus den lebhaften tiefdunkeln Augen sprüht Lebenslust und Lebensfreude, der etwas lose Mund gibt dazu die Mischung von Lebensverachtung, die ein solcher Krieg erzeugt, erzeugen muß. Sein Kamerad, der Leutnant, ist ein liebenswürdiger, fröhlicher Wiener. Beide tragen am preußischen schwarz-weißen Bande das deutsche Eiserne Kreuz. Die Munitions-

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/117&oldid=3353091 (Version vom 1.8.2018)