Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/140

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Samstag den 12. Dezember nach Mittag steigerte sich die Artilleriebeschießung der von den Deutschen besetzten Stellungen zu ungewöhnlicher Heftigkeit. Es war die Einleitung zu einem regelrechten Durchbruchsversuch, der mit starken Infanteriekräften, beidseitig der Straße Flirey-Essey-Thiaucourt, d. h. in der nämlichen Richtung angesetzt wurde, wo schon der so überaus verlustreiche Angriff in der Morgendämmerung vom 22. Oktober stattgefunden hatte. Überfallartig brach plötzlich die französische Angriffsinfanterie vor. Die vorzüglich eingeschossene deutsche Artillerie, die ihr Feuer schon zum voraus abschnittweise auf die verschiedenen Streifen des Angriffsfeldes nach Breite und Tiefe verteilt hatte, empfing die zum Angriff vorgehenden Franzosen mit einem mörderischen Kreuzfeuer. Trotzdem hielt die französische Infanterie noch stand und gelangte, insbesondere auf einem Flügel, noch weiter vor. In der Zone des wirksamsten Infanteriefeuers brach dagegen der Angriff zusammen, zuerst am linken Flügel, dann auch am rechten und in der Mitte. Die Voraussetzung des Gelingens des Durchbruchsversuchs, daß nämlich die deutsche Infanterie unter dem lang andauernden Artilleriefeuer erschüttert sei, bestätigte sich nicht. Die Deutschen erwarteten den Angriff kaltblütig und entschlossen. Ihrem ruhig gezielten Schützen- und Maschinengewehrfeuer, das von der Artillerie planmäßig unterstützt wurde, vermochte der Angriff der Franzosen nicht standzuhalten.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/140&oldid=3353117 (Version vom 1.8.2018)