Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/220

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der jüngsten, in dieser Gegend durchgefochtenen Kämpfe und die jetzige Lage auf einem günstig gewählten Beobachtungsstande, woselbst mich der dort befehligende Stabsoffizier Oberstleutnant R. orientiert, gut überblicken. Seit dem Beginn des Feldzuges ist dieses Gebiet hart umstritten worden. Das ganze Wesserlinger Tal und den Talausgang bei Thann halten die Franzosen schon seit den Augusttagen besetzt, vorübergehend hatten sie auch Sennheim in ihrem Besitz, das ihnen indessen schon im September von den Deutschen entrissen wurde, die es seither dauernd halten.

In der Weihnachtswoche versuchten die Franzosen, gleichzeitig mit der allgemeinen, fast auf ihrer ganzen Kampffront einsetzenden Offensive, sich wieder in den Besitz von Sennheim und des einen Kilometer nördlich davon am Ausgange des Tälchens von Steinbach zwischen Weinbergen liegenden Dorfes Uffholz zu setzen. Die Deutschen ihrerseits waren entschlossen, den wichtigen Straßenknotenpunkt Sennheim, an dem die beiden über Thann ins Wesserlingertal und über Maßmünster ins Dollartal führenden Eisenbahnlinien sich verzweigen, zu halten und ein nochmaliges Heraustreten französischer Kräfte in die Rheinebene abzuwehren. Es gelang zwar den Franzosen in der Weihnachtswoche, sich durch einen mit überlegenen Kräften ausgeführten Vorstoß in den Besitz des zwei Kilometer nordwestlich von Sennheim in einem Tälchen gebetteten rebenumkränzten Dorfes

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/220&oldid=- (Version vom 1.8.2018)