Seite:MüllerKriegsbriefe.pdf/49

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Scheune in der Gegend von Thiaucourt fünf französische, bürgerlich gekleidete Soldaten entdeckt worden, die durch eine unterirdische Fernsprecherleitung mit dem französischen Truppenkommando verbunden waren. Sie trugen ihre Erkennungsmarken, einzelne sogar Uniformstücke unter dem Bürgerrocke. Sie wurden an der Friedhofsmauer erschossen. Die Franzosen bedienen sich ferner häufig der Flieger, um die deutschen Stellungen zu erkunden. Hat der Flieger eine Artilleriestellung beobachtet, so wirft er eine Bombe hinunter, worauf die französische Artillerie sofort ein lebhaftes Feuer gegen die damit bezeichnete Stellung eröffnet. Die Deutschen suchen diesem Verfahren durch häufigen Stellungswechsel zu begegnen. Daß aber die Auskundschaftung durch Spione und Flieger die taktische Nahaufklärung durch Patrouillen vor dem Angriff auf eine befestigte Stellung nicht ersetzt, namentlich wenn die Angriffstruppe eben frisch auf dem Gefechtsfelde ankommt und mit dem Gelände nicht vertraut ist, mußten die Franzosen zu ihrem Schaden erfahren. Sie bezahlten die Mißachtung dieses elementaren Grundsatzes mit Strömen Blutes. Man muß annehmen, daß die Führer dieser Truppe der nötigen taktischen Ausbildung entbehrten.

Sei dem wie ihm wolle, die Franzosen marschierten — immer nach der Darstellung meiner Gewährsmänner — in parallelen Marschkolonnen bis auf etwa vierhundert Meter Entfernung an die

Empfohlene Zitierweise:
Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/49&oldid=- (Version vom 1.8.2018)