Seite:Mitteilungen des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde 8.djvu/3

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

5. Es folgte die Beratung über die zu beschaffenden Mittel. Zuvor erklärte die Versammlung auf Anregung des Herrn Prof. Roediger und besonderen Antrag des Herrn Prof. Kahle, den Ausschuß bei aller Weiterarbeit nach besten Kräften zu unterstützen, und beauftragte ihn hierauf, eine Petition an den Reichskanzler zu richten und persönlich beim Reichsamt des Innern vorstellig zu werden. Es soll hierbei zunächst lediglich die Sammlung der Volkslieder betont werden.

6. Zur Frage der Angliederung an den „Internationalen Bund folkloristischer Forscher FF“ wurde auf Antrag des Ausschusses beschlossen:

„Die Einzelvereine sollen ihre Mitglieder auf die Vorteile des Internationalen Bundes folkloristischer Forscher aufmerksam machen und die wissenschaftlich Tätigen zum Beitritt auffordern.“

7. Hierauf gelangten noch folgende Anträge des Ausschusses zur Annahme:

  1. „Solange dem Verbande keine Mittel zur Verfügung stehen, die die Anstellung einer Hilfskraft ermöglichen, bleiben die eingesetzten Ausschüsse bestehen.“
  2. „Die Vereine werden ersucht, innerhalb ihrer Vereinsgebiete von den Getreidepuppen photographische Aufnahmen zu machen und das Auftreten der verschiedenen Formen festzustellen.“

Herr Mielke erklärte sich bereit, einen Entwurf darüber vorzulegen.

8. In die Volksliederkommission wurde auf Antrag von Prof. Bolte Herr Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Friedländer gewählt. Dieser nahm die Wahl dankend an.

9. Auf Antrag von Herrn Sökeland wurde der Ausschuß beauftragt, eine Änderung des § 14 der Statuten (Beitrag betreffend) bis zur nächsten Tagung vorzubereiten.

10. Für den nächsten Verbandstag wurde Graz gewählt.

11. Der geschäftsführende Ausschuß wurde durch Zuruf wiedergewählt.

Auf die Beratung folgte ein Vortrag des Herrn Prof. Hauffen über das österreichische Volkslied und seine vorbereitete Herausgabe, der unten abgedruckt ist. Ein zweiter Vortrag, den Herr Pfarrer Schullerus in Hermannstadt zugesagt hatte, mußte leider ausfallen, da dieser durch amtliche Gründe am Erscheinen verhindert war. Um 2½ Uhr schloß der Vorsitzende mit herzlichen Dankesworten die Sitzung.

Um 5 Uhr fand eine von zahlreichen Teilnehmern (über 250) besuchte öffentliche Versammlung statt, welche durch die Gegenwart des Herrn Geheimen Oberregierungsrats Dr. Schmidt, der in Vertretung des Herrn Unterrichtsministers erschienen war, ihre besondere Auszeichnung erhielt. Nach einer Ansprache des Herrn Prof. Dr. Mogk, die wir unten im Wortlaut wiedergeben, ergriff Herr Prof. Dr. Siebs das Wort, um Ziele und Aufgaben der Volkskunde eingehend zu erläutern. Der Vortragende setzte zunächst die Entwicklung der volkskundlichen Bestrebungen in Deutschland auseinander; wenn auch einzelne hervorragende Gelehrte, vor allem die Brüder Grimm, Müllenhoff, Schmeller, Weinhold sich schon vorher um Brauch und Sitte, Sage und Märchen, Lied und Glauben des Volkes gekümmert hatten, so war die Pflege dieser Dinge doch recht eigentlich der Zeit nach 1870, seit dem Erstarken des deutschen Nationalgefühls, vorbehalten. In neuester Zeit verdanken wir reiche Förderung