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zerbrochener eiserner Ring, eine Bronze-Fibel mit einfachem Drahtbügel und ziemlich langer Spirale, und endlich zwei kleine silberne Fibeln, von denen die eine ziemlich gut erhalten ist, während die andere sehr defekt ist und beim Leichenbrand angeschmolzen zu sein scheint.

Wenige Schritte weiter fand ich, wiederum neben einander im Sande liegend, zwei fast ganz gleiche, gut erhaltene Bronze-Fibeln und dann noch später eine ziemlich grosse, 11 cm lange, sehr schön patinierte Nähnadel von demselben Metall.

Die Fibeln – fünf an der Zahl – haben den gewöhnlichen Typus des frührömischen Provinzialstiles. Vier haben einen breiten flachen Bügel, der mit einem etwas schrägstehenden halbmondförmigen Aufsatz versehen ist, ziemlich lange Spiralen und niedrigen Fuss. Auch die Tremolirstriche auf der silbernen Fibel sind typisch für diese Zeit.

Bronze-Fibeln von genau derselben Form, wie die Klein-Leppiner, haben wir z. B. in den bekannten Gräberfeldern von Darzau in Hannover und Fohrde bei Brandenburg a. d. Havel und aus sehr verschiedenen anderen Gegenden. Silberne Fibeln sind aber sehr selten, da das Silber erst um diese Zeit zum ersten Male in den Gräberfeldern des nördlichen Deutschlands vereinzelt auftritt. Wir haben von dieser Form im Königlichen Museum erst ein einziges Exemplar und zwar aus einem Gräberfeld von Kloster-Zinna, Kreis Jüterbock-Luckenwalde.

Von den Thonscherben sind zuerst mehrere zu einer Urne gehörende Randstücke zu erwähnen, die ziemlich dickwandig, verhältnissmässig gut gebrannt und mit einer horizontalen Reihe sehr regelmässig eingedrückter runder Vertiefungen verziert sind. Genau dasselbe Ornament ist mehrfach in Fohrde vertreten. Ein anderer Scherben zeigt schon die Schalenform der Völkerwanderungszeit und ein dritter Fingernagel-Eindrücke, die nicht in der frührömischen, sondern entweder in der vorrömischen oder in der spätrömischen und in der Völkerwanderungszeit vorkommen. Die Fibeln gehören etwa in das zweite Jahrhundert n. Chr., die beiden letzten Scherben möchte ich jedoch erst in das dritte oder vierte Jahrhundert setzen. – Bei so wenigen Funden lässt sich leider nicht sicher bestimmen, ob das Gräberfeld so lange Zeit benutzt worden ist.

M. Weigel.




Aus der Provinz Posen.

1) Die Schwedenschanze bei Fordon an der Weichsel. Im October v. J. wurde dieses Erdwerk, das sich 1000–1200 m oberhalb der Stadt Fordon am linken Ufer der Weichsel erhebt, untersucht. Nach dem Berichte des Dr. Erich Schmidt, Archivars der historischen Gesellschaft für den Netzedistrikt, hat dasselbe die Gestalt eines Halbkreises, dessen Sehne das hier ziemlich hohe Weichselufer bildet. Um den Kern desselben legt sich zunächst ein Graben und jenseits desselben ein Wall. Letzterer besteht aus reinem Sande; im Graben stiess man sofort auf Wasser. Der Kern oder, wie der Bericht sagt, der eigentliche Burgberg zeigte auf dem gelben Sande des gewachsenen Bodens überall eine graue Aufschüttung von 1,5–2,5 m Mächtigkeit, die aus verschiedenen, mit Holzasche und Kohlenstücken durchmengten Schichten zusammengesetzt ist. Auf der Nordseite war der innere Kern nach dem Graben zu durch einen, auf den oberen Rand aufgesetzten Steinkranz verstärkt. In der Aufschüttung traf man zahlreiche Topfscherben der slavischen Zeit, darunter charakteristische Wellenornamente, ferner Fischschuppen, Knochenreste vom Pferd, Rind, Schwein, Hirsch, Huhn(?), mehrere

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: Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde. Asher, Berlin 1890, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:NDA_1890.pdf/14&oldid=- (Version vom 7.1.2019)