Seite:OABacknang.djvu/150

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Er mußte sich übrigens mancherlei Bedingungen etwas beschwerlicher Art gefallen lassen, „auch etliche Deputate auf Studia der jungen Edelleute verwenden“, so daß ihm wohl die Hälfte des Ertrags seiner Pfründe entzogen worden sein soll (Besold a. a. O. Zimmersche Chronik in der Bibl. des lit. Vereins 93, 467. 94, 171). Nach seinem i. J. 1557 erfolgten Tode bewarb sich zwar ein Herr von Rappoltstein für seinen Schwager, Graf Heinrich von Sayn, um die Probstei, allein sein Gesuch wurde abgeschlagen, die Stelle nicht mehr besetzt und mit der definitiven Säkularisirung des Stifts vorgeschritten. Den sonstigen Grundsätzen über die Säkularisirung entsprechend wurde aber aus den Gütern des ehemaligen Stifts eine eigene Stiftsverwaltung gebildet, welche erst mit der Aufhebung des Kirchengutes im Beginne dieses Jahrhunderts ihr Ende erreichte.

Während des dreißigjährigen Krieges setzten sich die Jesuiten i. J. 1635 in den Besitz des Stiftes und arbeiteten für die Gegenreformation, allein den 3. Aug. 1638 erließ K. Ferdinand III. an Statthalter und Räthe zu Württemberg den Befehl, daß in Stuttgart und Backnang der evangelischen Bürgerschaft die Ausübung ihrer Confession wieder gestattet werde. Den 7. Mai 1639 erhielt das Stift gleichwie einige andere Stifte einen Schutzbrief vom Kaiser, welcher am oberen Thore der Stiftskirche öffentlich angeschlagen wurde. Nach Abschluß des westphälischen Friedens erbot sich der jesuitische Stiftsinhaber Mich. Weidenhiller gegenüber dem Kirchenkastensadvokaten Faber in 3 Tagen das Stift abzutreten, bat jedoch, ihm noch 3 Wochen zum Dreschen seiner Zehentfrüchte zu vergönnen, suchte zugleich um den fürstlichen Schutz an und übergab die Schlüssel zur Kirche und zum Stiftsgebäude. Seinem Wunsche wurde entsprochen. (Sattler, Herzoge 7, 195. 9, 14. und 16).

Die Reihe der Pröbste des Stiftes nach älteren Aufzeichnungen, so aus dem 17. Jahrhunderte, welche allerdings nicht durchaus mit gleichzeitigen Quellen belegt werden kann, ist folgende. Berthold † 18. Febr. 1124 (alte Aufzeichnung im St.-Archive) Stephan 1165. Albero 1182 (Wirt. Urkb. 2, 222), † 1189. Konrad 1214 – 1230. Diether 1231 – 1233 (eb. 3, 276. 320.). Heinrich 1244 –1260 (St.-A.). Konrad † 1271. Eberhard † 1278. Konrad 1290 (St.-A.) † 1308. Beringer 1319 † 1339. Siegfried von Welzheim 1350 † 1354. Siegfried von Baumgarten 1365 † 1377. Siegfried von Leonberg 1377 † 1399. Ulrich Fetzer 1399 – 1413. Ulrich von Winkenthal 1413 – 1420. Wilhelm von Lichtenstern 1420 – 1450 (1437 u. 1442 St.-A.). Johannes Hagen 1453 – 1466 (St.-A.). Jakob Wick 1476 – 1492. Peter Jacobi von Arlun (im Großherzogthum Luxemburg) unter der Regierung der Herzoge Eberhard I. und II. und Ulrich in deren Diensten, kaiserlicher Rath, Begleiter des erstgenannten Herzogs auf seiner Reise

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/150&oldid=- (Version vom 1.8.2018)