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Reichenberg, mit Schloß,

Gemeinde II. Kl. mit 1086 Einw. wor. 10 Kath. und 27 eigener Konfession. a. Reichenberg, Dorf, 370 Einw., b. Aichelbach, Weiler, 128 Einw., c. Bernhalden, Haus, 12 Einw , d. Dauernberg, Weiler, 103 Einw., e. Ellenweiler, Weiler, 48 Einw., f. Reichenbach, Weiler, 43 Einw., g. Reutenhof, Hof, 17 Einw., h. Rohrbach, Weiler, 56 Einw., i. Schiffrain, Weiler, 85 Einw., k. Wachthäusle, Haus , 5 Einw, l. Zell, Weiler, 217 Einw., Filial von Oppenweiler mit Ausnahme von Dauernberg, das nach Sulzbach, und Zell, das nach Backnang und Oppenweiler eingepfarrt ist. 5/4 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen. Sitz eines Forstamts und eines Revierförsters.

Der meist aus kleinen Bauernhäusern bestehende Ort zerfällt in zwei Gruppen, in das untere und in das obere Dorf; das untere Dorf liegt am südlichen und westlichen Fuß des Reichenbergs und zieht sich theilweise noch den Berg hinan, das obere Dorf hat eine hohe freie Lage in der Einsattelung, die sich von der Spitze des Schloßberges nordöstlich gegen das zurückliegende Gebirge herabsenkt. Der hohe, schön geformte Berg hängt nur in dieser Richtung mit dem Gebirg zusammen, sonst tritt er frei heraus zwischen dem breiten Murrthal und einer im Norden in dasselbe hereinbrechenden Schlucht und macht mit dem Dorfe und dem großen, alterthümlichen, kühn aufgethürmten Schlosse einen höchst angenehmen und bedeutenden Eindruck. Auch die Lage der Parzellen ist durchaus freundlich, ein eigener Frieden weilt über diesen in stille kleine Thäler verstreuten Weilern und Höfen.

Aussichtspunkte bieten sich außer auf dem Schloßberg viele bei Schiffrain, dann auf dem Hahnenbühl, im Gemeindewald Greut; man erblickt die ganze Albkette vom Hohenstaufen bis zu den Lochen und gegen Westen weit über das Unterland hin bis an die fernblauen Züge des Schwarzwaldes mit der Hornisgrinde. Dann der Punkt beim Signalstein neben dem Kirchweg auf der Markung Zell, der einen sehr malerischen Ausblick auf die vielen nahen Örtchen und in das Murrthal eröffnet.

Unter den Gebäuden ist zuerst das Schloß zu nennen. Von der alten romanischen Anlage, die der auf dem nahen Ebersberge ganz ähnlich ist, hat sich noch vieles erhalten. Zwei zum Theil noch sichtbare Gräben durchschnitten den schmalen von Nordost herziehenden Bergsattel, der innere Graben war gemauert, über ihn führt jetzt statt der früheren hölzernen Zugbrücke eine steinerne, in den Bögen mit Erde ausgefüllte Brücke an das Thor, das an der Ostseite gelegen und rechts von dem gewaltigen Rundthurm (Bergfried) gedeckt wird. Die alten und sehr starken Umfassungsmauern des Schlosses stehen noch aufrecht, gegen Südwesten sogar noch mit dem Umgange, der auf den andern Seiten von Holz hergestellt ward. Überhaupt das ganze Schloß ist so ziemlich das ursprüngliche und bildet eine unregelmäßig fünfeckige Anlage, die einen länglichen Hofraum

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 285. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/285&oldid=- (Version vom 1.8.2018)