Seite:OABacknang.djvu/55

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
in Würt-
temberg
im
Oberamt
Backnang
O. Z.
Personen überhaupt 477  474  35 
Vorstände nebst Ehefrauen 173  173   
Kinder (Pers. unter 14 Jahren) 138  145  22 
Erwachsene Hausgenossen (Personen über 14 Jahren) 166  156  37. 

In Beziehung auf letztere Zahlen steht somit der Oberamtsbezirk Backnang dem Landesmittel sehr nahe, namentlich also auch hinsichtlich der Zahl der erwachsenen Hausgenossen (mit Ausnahme des Hausherrn und der Hausfrau).

Dieß ist auch der Fall hinsichtlich der Zahl der Dienstboten, indem von sämtlichen Haushaltungen 23% Dienstboten besitzen; während in den Oberämtern Böblingen, Vaihingen, Nürtingen nur 12%, in den Oberämtern Leutkirch, Ravensburg, Wangen dagegen 31% aller Haushaltungen Dienstboten halten. Da nun aber andrerseits die Altersklassen des reifern Alters, hauptsächlich von 20 – 30 Jahren, verhältnismäßig schwach besetzt sind, so dürfte daraus hervorgehen, daß die Zahl der in den Haushaltungen gezählten Erwachsenen vorzugsweise der Klasse der 15 – 20jährigen angehört.

Schließlich ist noch die im Jahr 1853 veranstaltete Aufnahme der Irren, Kretinen, Taubstummen und Blinden zu erwähnen, wornach sich für den Oberamtsbezirk Backnang folgende Verhältnißzahlen ergeben. Es wurde gezählt:

in Würt-
temberg
im
Neckar-
kreis
im
O.A.
Backnag
O. Z.
auf Einwohner
1 Irre 943  871  1422  9 
1 Kretine 484  462  467  39 
1 Taubstummer 962  906  495  49 
1 Blinder 1194  1165  1486  13 

Der Kretinismus war nach jener Aufnahme in einigen Orten des Bezirks relativ stark verbreitet, insbesondere wurde in den am Südwestabhang des Murrhardter Waldes gelegenen Gemeinden Steinbach, Ober- und Unter-Brüden 1 Kretine auf 191, 184 und 185 Einwohner gezählt, sodann noch mehr in den südlich der genannten Orte gelegenen Gemeinden Ebersberg und Bruch, nämlich 1 Kretine auf 63 und 84 Einwohner.

Die Ursache soll namentlich in den mit Gyps durchsetzten Keupermergeln liegen, welche das Trinkwasser ungesund machen.

Auch Taubstumme zählte der Bezirk sowie der ganze Landstrich zwischen Schorndorf, Marbach, Öhringen und Crailsheim relativ viele, wie dieses Übel überhaupt als Begleiter des Kretinismus auftritt. Dagegen wurden wenig Blinde gezählt, wie denn im Allgemeinen die Beobachtung gemacht wurde, daß sich in Distrikten, in

Empfohlene Zitierweise:
Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart, Stuttgart 1871, Seite 055. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:OABacknang.djvu/55&oldid=- (Version vom 1.8.2018)