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Seite:PhiloCongrGermanLewy.djvu/013

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Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung wegen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy

und schafft es [524 M.] aus dem Wege. Man handelt nun im Sinne der Leah, wenn man die älteren[1] und führenden Tugendgüter nutzt, im Sinne der Rachel dagegen, wenn man gewissermaßen seine Kriegsbeute genießt. 33 Solcher Art ist das Zusammenleben mit den Edelbürtigen. Daneben bedarf der Asket noch der Bilha, des Hinunterschluckens, aber als einer Sklavin und Kebsfrau (denn ohne Nahrung und Unterhalt kann sich wohl kaum ein richtiges Leben ergeben, da ja die mittleren Tugenden[2] Grundlage der höheren sind). Er bedarf ebenso auch der Zelpha, der Äußerung des Gedankens im Gespräch, damit seinem Logos von zwei Seiten her zur Vollendung verholfen werde, von der Quelle in der Denkseele und von ihrem Ausflusse durch das Sprachwerkzeug.[3]

[7] 34 Diese nun wurden, wie die heiligen Schriften berichten, Männer mehrerer Frauen, und zwar nicht nur edelbürtiger Weiber, sondern auch Kebsfrauen. Isaak aber hatte weder mehrere Frauen noch überhaupt ein Kebsweib, sondern nur seine Ehegattin, die ständig mit ihm lebte. 35 Warum dies? Weil sowohl die lehrbare Tugend,[4] nach der Abraham strebt, mehrerer Frauen bedarf (und zwar edelbürtiger für die rechte sittliche Einsicht, sowie außerehelicher für die Wissenschaften der enkyklischen Vorbildung), wie auch diejenige Tugend, die sich vermittels der Askese vollendet und um die sich offensichtlich Jakob bemüht. 36 Denn die Tugendübungen bedienen sich vieler verschiedener Lehrsätze, die führen oder folgen, vorangehen oder hinterherziehen und bald geringere, bald größere Mühe machen. Diejenigen aber, welche die Tugend von selbst lernen, zu deren Gattung Isaak, die Freude,[5] der edelste Zustand des

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung wegen (De congressu eruditionis gratia) übersetzt von Hans Lewy. H. & M. Marcus, Breslau 1938, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloCongrGermanLewy.djvu/013&oldid=- (Version vom 28.11.2016)
  1. Leah ist die ältere der beiden Schwestern. Vgl. Über die Trunkenheit § 48 (und Anm. 4).
  2. Die μέσαι ἀρεταί sind die Tugenden des Körpers.
  3. Über die Unterscheidung zwischen dem λόγος ἐνδιάθετος und dem λόγος προφορικός, auf die sich auch die Etymologie der Ballah (στόμα ἐκπορευόμενον, s. o. § 30 Anm. 1) gründet, vgl. Erbe des Göttlichen § 4 Anm. 6 und § 69 Anm. 1.
  4. Im folgenden wiederholt Philo seine Erzvätertypologie, wonach Abraham Typus der διδασκαλικὴ ἀρετή, Jakob des ἀσκητής und Isaak des αὐτοδίδακτος ist. Näheres darüber s. Über die Geburt Abels § 6 Anm. 3.
  5. Isaak = Γέλως (nach der hebräischen Etymologie), vgl. Über die Cherubim § 7 Anm. 3.