Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/047

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

mit den Worten (2 Mos. 14,11): 171 „Hast du uns etwa deshalb fortgeführt, weil es in Aegypten keine Gräber gibt, wo unsere Leichen begraben werden könnten, um uns hier zu töten und zu bestatten? Oder ist nicht jede Knechtschaft ein leichteres Uebel als der Tod? Mit dem Köder der Hoffnung auf Freiheit die Menge lockend, hast du uns den schwereren Kampf um unser Leben aufgehalst. 172 Kanntest du nicht unsere Einfalt und der Aegypter Erbitterung und grimmigen Zorn? Siehst du die Grösse des unentrinnbaren Unglücks nicht? Was sollen wir tun? Sollen wir ohne Waffen mit wohlbewaffneten Feinden kämpfen? Oder sollen wir fliehen, wie von einem Netz umgeben von unbarmherzigen Feinden, von ungangbarer Oede, von unbefahrbaren Meeren? Und wenn diese auch befahrbar sind, wo haben wir Vorrat an Fahrzeugen zur Ueberfahrt“? 173 Als Moses diese Klagen hörte, verzieh er ihnen und gedachte der Weissagungen. Seine Gedanken und Worte nach zwei Richtungen teilend, wendete er sich in Gedanken unbemerkt an die Gottheit, dass sie Rettung aus hilfloser Not sende, und ermutigte und tröstete gleichzeitig mit seinem Worte die laut Scheltenden: „Lasset den Mut nicht sinken“, sprach er, „nicht wie der Mensch hilft Gott. 174 Warum traut ihr mit Vorliebe nur dem Wahrscheinlichen und Glaublichen? Keinerlei Zurüstung braucht der hilfreiche Gott. In der Unwegsamkeit einen Weg zu finden ist Gottes Sache. Was jedem geschaffenen Wesen unmöglich, ist ihm allein möglich und für ihn leicht ausführbar“. 175 Dies nun führte er noch in ruhigem Tone aus; nachdem er aber eine Weile innegehalten, gerät er in Begeisterung, von dem Geiste Gottes, der ihn zu überkommen pflegte, ergriffen, und verkündet folgende Weissagung: „Wie ihr jetzt das Heer wohlgerüstet sehet, werdet ihr es nicht mehr euch gegenüberstehen sehen; denn fallen wird es insgesamt in wilder Hast und in dem Abgrund verschwinden, sodass auch nicht ein Rest von ihnen über der Erde mehr zu sehen sein wird, und dies nicht in langer Frist, sondern schon in der folgenden Nacht“. (32.) 176 Also sprach er. Nach Sonnenuntergang aber begann sofort ein sehr starker Südwind loszubrechen, vor dem das Meer zurückwich; pflegte es

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 261. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/047&oldid=3378764 (Version vom 1.8.2018)