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Liste.png Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

durch den er sich selbst des grössten Frevels schuldig erklärte. Denn wozu, so kann man sagen, gibst du auf eigene Faust Ratschläge im Widerspruch mit den Wahrsagungen, wofern nicht deine Ratschläge dir wirksamer erscheinen als die göttlichen Aussprüche? 295 (54.) Betrachten wir nunmehr seine schönen Ratschläge, wie fein sie ersonnen waren zu sicherer Niederlage derer, die sonst immer hätten Sieger bleiben können. Da er wusste, dass bei den Hebräern es nur einen Weg, sie zu überwinden, gebe, das Handeln gegen das Gesetz, so gedachte er durch das grosse Laster der Wollust und Zuchtlosigkeit sie zu einem noch grösseren Frevel, der Gottlosigkeit, zu verführen, indem er ihnen die Sinnenlust als Köder hinwarf. 296 „Die Weiber der Eingeborenen, o König“, so sprach er[1], „zeichnen sich vor anderen durch ihre schöne Erscheinung aus. Ein Mann aber ist durch nichts leichter zu fangen als durch die schöne Gestalt eines Weibes. Wenn du nun den Schönsten gestatten wirst zu buhlen und sich preiszugeben, so werden sie die jungen Leute unter deinen Feinden ködern. 297 Man muss ihnen aber einschärfen, nicht sofort ihre Jugendreize den Begehrenden preiszugeben, denn die Sprödigkeit weckt mit ihrem heimlichen Reiz die Begierden noch mehr und entflammt die Liebesleidenschaft; von den Begierden fortgerissen, werden sie alles zu tun und zu dulden sich bereit finden lassen. 298 Wenn dann der Liebhaber in solcher Stimmung ist, so spreche in übermütiger [p. 128 M.] Ausgelassenheit manche von den zu dieser Jagd abgerichteten Jungfrauen: du darfst den Verkehr mit mir nicht eher geniessen, als bis du deine väterlichen Bräuche aufgibst und dich zu denselben bekehrst, die ich ehre; für deine sichere Bekehrung würde es mir ein sehr deutlicher Beweis sein, wenn du einwilligtest, an demselben Trank- und Schlachtopfer teilzunehmen, die wir den Götterbildern von Stein und Holz und den anderen heiligen Bildwerken darbringen. 299 So wird jener, von mannigfachen Schlingen, von der Schönheit und von kosendem Geplauder, umgarnt, nichts


  1. Auch Josephus Altert. IV § 126 ff. lässt Bileam in längerer Rede seinen Plan der Verführung der Hebräer Balak und den Moabitern auseinandersetzen.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 288. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/074&oldid=3378791 (Version vom 1.8.2018)