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Liste.png Philon: Über die Nüchternheit (De sobrietate) übersetzt von Maximilian Adler

ganz angemessen, ihm[1] möge Breite zuteil werden, damit er sowohl die seelischen Tugenden: Einsicht, Besonnenheit und jede der anderen anwenden könne, als auch die körperlichen Vorzüge: Gesundheit, Schärfe der Sinnesorgane, Kraft, Stärke und dergleichen, ferner aber auch alle äußerlichen Vorteile, die zu Reichtum, einem Rufe und zum nützlichen Genuß der notwendigen Vergnügungen führen. [402 M.] [13] 62 Soviel nun über die Breite. Zu überlegen ist aber, wer denn nach jenem Segenswunsche in den Häusern Sems Wohnung nehmen soll; denn (die hl. Schrift) gibt das nicht genau an. Da kann man nun sagen: der Lenker des Alls. Läßt sich denn in der Schöpfung ein würdigeres Haus für Gott finden, als eine Seele, die vollkommen geläutert ist und bloß das Sittlich-Schöne für ein Gut hält, alles andere aber, was dafür gehalten wird, in den Rang von Trabanten und Untertanen einreiht?[2] 63 Das Wohnen Gottes in einem Hause ist aber nicht räumlich gemeint – er umfaßt ja alles, ohne von irgendetwas umfaßt zu werden –,[3] sondern in dem Sinne, daß er jenem Platze besondere Vorsorge und Fürsorge angedeihen läßt; haftet doch jedem Herrn eines Hauses die Sorge um dieses notwendigerweise an. 64 Möge also


  1. [Aus Philo wird nicht verständlich, mit welchem Recht er Japhet zum Peripatetiker macht und auch nicht, wieso § 69 mit dem Begriff des κάλλος gearbeitet wird, das mit dem καλόν, dem sittlich Guten, nach stoischem Sprachgebrauch nicht ohne weiteres identisch ist. Philo läßt nämlich die Etymologien unerwähnt, auf denen, wie fast immer, die Deutung der Person beruht. § 61 hält er sich an die von dem Bibelvers selbst aufgestellte Beziehung zu פתהerweitern; § 68ff. kombiniert er diese Deutung mit einer anderen, die, wie der Talmud Meg. 9 b, יפת‎ mit יפיSchönheit zusammenstellt. I. H.]
  2. Ob man aus dieser Stelle schließen darf, daß durch die „solcherweise hergestellte Wesensverwandtschaft die Gottheit selbst dem Weltleben immanent bleibt,“ wie das Anathon Aall, Geschichte d. Logosidee i. d. griech. Philos. I 197 getan hat, ist mir fraglich.
  3. In der Lehre des Aristoteles über den πρῶτος οὐρανός und durch die Ansichten der Stoiker, z. B. Zenons, daß der Himmel (mit Ausnahme des κενόν und seiner selbst) alles umfasse, war schon den Griechen die Möglichkeit gegeben, dem Himmel das Attribut der Göttlichkeit beizulegen. Für Philo kam nun auch noch die biblische Anschauung hinzu, daß Gott im Himmel wohne. Das alles widerstreitet aber der strengen Transzendenz des philonischen Gottesbegriffes; darum betont er so scharf die Außerweltlichkeit, Unkörperlichkeit und Unlokalisierbarkeit Gottes (vgl. Leisegangs Index s. v. θεός); nur der Dumme und Minderwertige könne wähnen, εἶναι τὸν θεὸν ἐν τόπῳ, μὴ περιέχοντα, ἀλλὰ περιεχόμενον, All. Erkl. III 6. Vgl. Ü. d. Nachk. Kains § 7 u. v. a.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Über die Nüchternheit (De sobrietate) übersetzt von Maximilian Adler. H. & M. Marcus, Breslau 1929, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloSobrGermanAdler.djvu/21&oldid=- (Version vom 17.7.2016)