Seite:Proehle Rheinlands Sagen und Geschichten.djvu/100

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Ist das Brustbein von einer gebratenen Martinsgans braun, so bedeutet es Kälte, ist es weiß, Schnee.

Ein Bergbewohner, welcher diese vielen auf reiche Fruchtbarkeit hinzielenden Sprüche, wo nicht mit Neid, doch mit Ernst vernommen, wurde gefragt, ob auch bei ihnen dergleichen gang und gäbe wäre? Er versetzte darauf: mit so viel Abwechselung könne er nicht dienen, Rätselrede und Sagen sei bei ihnen nur einfach und heiße:

Morgens rund,
Mittags gestampft,
Abends in Scheiben;
Dabei soll’s bleiben
Es ist gesund.

Es sollen sich diese Reime auf die allzu häufige Kartoffelnahrung beziehen. Indessen freuten sich die Anderen über diese glückliche Genügsamkeit und manche versicherten, daß es Zeiten bei ihnen gäbe, wo sie zufrieden seien es ebenso zu haben.

Nun stand manche Gesellschaft gleichgültig auf und verließ den fast unübersehbaren Tisch. Andere grüßten und wurden gegrüßt. So verlor sich die Menge nach und nach. Nur die sich besonders liebgewonnen hatten, zauderten. Man verließ sich ungern, ja, man kehrte einigemal gegen einander zurück, das angenehme Weh eines solchen Abschiedes zu genießen, und versprach sich endlich zu einiger Beruhigung ein unmögliches Wiedersehen.

Außer den Zelten und Buden empfand man damals dort in der hohen Sonne sogleich den Mangel an Schatten, welchen jedoch bereits eine große neue Anpflanzung junger Nußbäume auf dem Hügelrücken dem heutzutage lebenden Geschlechte reichlich zusagte.

Eine neue Bewegung deutete auf ein neues Ereignis; man eilte zur Predigt, alles Volk drängte sich nach der Ostseite. Dort war das Gebäude noch nicht vollendet, hier standen noch Rüststangen, schon während des Baues diente man Gott. Ebenso war es, als in Wüsteneien von frommen Einsiedlern mit eigenen Händen Kirchen und Klöster errichtet wurden. Jedes Behauen, jedes Niederlegen eines Steines war Gottesdienst. Kunstfreunde erinnern sich der bedeutenden Bilder von Lesueur,

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Tonger & Greven, Berlin 1886, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Rheinlands_Sagen_und_Geschichten.djvu/100&oldid=- (Version vom 1.8.2018)