Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 2.djvu/44

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Ich fange mit derjenigen Wonne am Vollkommnen an, die uns bloße Formen zuführen können. Eine reguläre geometrische Figur befriedigt die Triebe des Verstandes und der Vernunft nach dem Uebereinstimmenden und Geordneten durch eine instinktartige Erkenntniß einer Form, welche diese Eigenschaften darstellt. Aber eine solche Figur, auf einer kleinen Fläche hingezeichnet, wird jenen Trieben nur eine sehr schwache Lust bereiten. Man hebe sie durch den Contrast mit mehreren irregulären Figuren, man bringe sie an wirklichen Körpern, besonders an solchen an, die eine große Ausdehnung und eine künstliche Bearbeitung zeigen; schnell erwacht ein lebhafteres Bild des Uebereinstimmenden und Wohlgeordneten; und mit ihm Wonne der Beschauung.

Dieses Mittels bedient sich besonders die Architektur und die Gartenkunst: oft unter Begleitung des Edeln und Schönen, oft allein, ja oft zum Nachtheile dieser letzten. Die reguläre geometrische Figur kann, an Prachtgebäuden und Lustgärten angetroffen, diese oft steif und widrig machen. Gebäude und Gärten, die zum Nutzen bestimmt sind, gewähren oft dem Beschauungshange bloß Wonne durch ihre Regularität. Man denke an große Magazine und Wirthschaftsgebäude. Man denke an große regulär gepflanzte Baumschulen.

Auffallender ist die Wonne am Vollkommnen da, wo das Bild des Uebereinstimmenden und Wohlgeordneten, und weiterhin des Wahren und Zweckmäßigen, von der innern Anordnung und Einrichtung eines Gegenstandes zur bessern Erkenntniß und zum bessern Gebrauche desselben abgenommen wird.

Die Distribution der Zimmer in einem Gebäude, wodurch jeder Platz genutzt, und die Abtheilungen in