Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.1.djvu/333

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undelikat ist die Rede, die er ihr bey dieser Gelegenheit in den Mund legt! Mit welchem Leichtsinn scherzt er über die Untreue, die er an Cynthien begangen hat, als er von ihr in einer mehr als verdächtigen Lage zwischen zwey gutwilligen Mädchen überrascht wird! [1] Seine Klagen über die Grausamkeit seines Mädchens haben selten das Gepräge der Wahrheit. [2] Seine Eifersucht verräth die Anmaßungen einer kleinlichen Eitelkeit, oder muß wegen der Uebertreibung, die in ihren Aeußerungen herrscht, wohl gar für eine erlogene Empfindung angesehen werden. [3] Seine Vorwürfe sind ohne alle Zartheit des Gefühls: [4] seine Drohungen entweder von aller Beymischung liebender Schonung entblößt: [5] oder in einem mehr scherzenden als ernsten Tone geäußert. [6] Wer kann es für etwas anders, als für eine Dichterwendung halten, wenn er Cynthiens Untreue durch sein Stillschweigen von ihr, oder durch einen bloßen Vers zu bestrafen verspricht? Doch erscheint selbst in der Anmaßung, mit der er auf sein Dichtertalent trotzt, eine Verschiedenheit von der Denkungsart des Tibull.


  1. Elegie 8. im vierten Buche.
  2. S. besonders die 18te Elegie im ersten Buche. Sie hat einige Aehnlichkeit mit dem Sonnet des Petrarka: Solo e pensoso i più deserti campi. Aber wenn man sie mit einander[WS 1] vergleicht, so kommt es einem vor, als ob Properz nur zum Scherz seine Klagen anstimme.
  3. Elegie 6. des zweyten B.
  4. Elegie 18. dess. B.
  5. Elegie 8. des dritten B.
  6. Elegie 5. dess. B.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: eiander