Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.1.djvu/332

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

von Cynthien erwartet: [1] wenn er sie seine einzige und letzte Liebe nennt: [2] wenn er nicht den Tod, sondern das Ueberleben ihrer Liebe fürchtet: [3] wenn er sogar seine Neigung mit in die Unterwelt zu nehmen verspricht. [4] Dieß sind Ausdrücke der damahligen Galanterie; und sollten sie das auch nicht seyn; so ist es doch gewiß, daß wenn Ideen dieser Art einmahl berechtigt sind, das Interesse des Publikums zu erwecken, und dieser Ton einmahl in die Gedichte der Liebe eingeführt ist; alle diejenigen, welche sich darin versuchen, darin einstimmen werden. Dann aber kann nur eine Prüfung der Aeußerungen im Ganzen den Mangel der Harmonie, und dadurch die Unwahrheit der vorgegebenen Empfindungen aufdecken. Properz verräth nun durch eine Menge kleiner Züge, daß er zwar eine gewisse Veredlung der Neigungen, die auf Geschlechtssympathie beruhen, gekannt, aber nie jene Zärtlichkeit empfunden habe, die durch Vereinigung der Personen zu beglücken sucht. Eine Menge fremder und gelehrter Bilder, die gerade da vorgeschoben werden, wo man erwartet, daß das Herz reden werde, zeugen für die Kälte dieses Letzten. [5] Wie fern von wahrer Rührung sind sein Gebet für die Wiederherstellung der Geliebten, [6] und die Erzählung ihrer Erscheinung nach dem Tode! [7] Wie


  1. Elegie 11. im ersten Buch.
  2. Elegie 12. ebend.
  3. Elegie 19. ebend.
  4. Ebendaselbst.
  5. Dieß findet man beynahe in jeder Elegie.
  6. Elegie 28. im zweyten B.
  7. Elegie 7. im vierten B.