Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/106

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den Dangier ganz zur Ruhe. Er zieht sich zurück, und läßt den Liebhaber unter den Händen des bel Accueil, der nur auf diese Gelegenheit gelauert hatte, um seinen Liebling bey der Rose wieder einzuführen. Der Liebhaber findet sie schöner als jemahls. Geblendet von ihrem Glanze, senkt er seine Augen nieder, erhebt sie bald aber zu neuer Bewunderung. Eine Zeitlang steht er in sich selbst verloren. Sein Herz schlägt hoch auf, und dem halbgeöffneten Munde entfahren brennende Seufzer. In diesem Augenblicke fährt Venus in ihrem mit Tauben bespannten Wagen vorüber. Die Schönheit, die Lage des Jünglings rühren die gutherzige Göttin. Sie nimmt ihn unter ihren Schutz, führt ihn selbst zum Rosenbusch, beugt ihm den Zweig, der die Rose trägt, entgegen, und der Glückliche drückt den feurigsten Kuß auf ihre Blätter. Noch kleben seine Lippen darauf, schon röthet eine höhere Farbe die Rose, – als ein widriges Geschrey zu früh dieses himmlische Entzücken stört. Es ist die Verläumdung Malebouche, die es erhebt. Sie hat das Glück der Liebenden mit schelem Blicke belauscht: Venus flieht erschrocken davon. Drey Ungeheuer, Furcht, Scham, Neid, angezogen durch die Losung ihrer Gefährtin Malebouche, eilen dagegen heulend herbey. Sie schleifen den Liebhaber, der ohnmächtig zu den Füßen des Rosenstocks niederstürzt, zugleich mit Bel Accueil in die Höhle, welche Dangier auf immer bewacht. Hier bauen sie für Beyde einen Thurm zum ewigen Gefängniß: hier beladen sie den Liebhaber mit Ketten. Verdammt zu unendlichen Qualen liegt er hier, und fleht vergebens den Himmel um Vernichtung an. Gramvolle Erinnerung,