Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/115

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zu schmücken, wandte man diese Kunst bald auf die weltliche Geschichte an, wenn die Hierarchie ihre Rechnung dabey fand, den Gemüthern eine gewisse Richtung durch falsche Ideen, und Ueberspannung der Phantasie zu geben. Die Mönche hatten den Hauptantheil an Werken dieser Art. Sie legten Sagen dabey zum Grunde, die sich durch Volkslieder auf ihre Zeitgenossen fortgepflanzt hatten. Die Geschichtsbücher in der heiligen Schrift, und die Chroniken der Zeit waren ihre nächsten Vorbilder, aber die Geschichtsschreiber der Römer, die alte Mythologie, und verschiedene orientalische Ideen, waren ihnen nicht unbekannt. Die ersten Romane sind weiter nichts, als wunderbare Geschichten, bey denen wahre Begebenheiten und Personen zum Grunde liegen. Je mehr sich der Roman der Legende nähert, und ascetische Absichten verräth: je weniger ausgesponnene Liebesintriguen er enthält: je unausgebildeter die Begriffe von irrender Ritterschaft darin erscheinen: endlich, je roher sich die Gefühle von Humanität, Courteoisie, und Galanterie, je ungebändigter sich die Leidenschaften darin äußern, um desto älter ist der Roman. Schon nach diesen Bestimmungen würde des: Joannis Turpini de vita Caroli Magni et Rolandi historia, (die Geschichte Karls des Großen und Rolands von Turpin) eines der ältesten Werke dieser Art seyn. Im Jahre 1094 ward ein Zug gegen die Saracenen in Spanien unternommen, und zwey Jahre darauf fingen die Kreuzzüge an. Um diese Zeit zog man die Volkssagen von Karl dem Großen, und Roland, dessen Schlachtgesang damahls noch in Jedermanns Munde war, hervor, und verfertigte davon eine