Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/156

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Es ist hier nicht der Ort, dieß alles weiter auszuführen. Genug! die glänzendsten Perioden der Ritterschaft sind unstreitig die Regierung Eduards des Dritten in England, und nachher Karls des Sechsten und Siebenten in Frankreich gewesen.

In diesen Zeiten findet man einen romanhaften Pomp an den Höfen, kühne Abentheurer und besondere Korporationen von Rittern. Zu gleicher Zeit zeigt sich aber auch ein bestimmteres Ritual bey der Aufnahme in die kriegerische Zunft, bey der Haltung der Tourniere, und bey den Huldigungen, welche dem schönen Geschlechte dargebracht wurden. Auf dieß Ritual hat unstreitig die zunehmende Geisteskultur Einfluß gehabt; und der Geschmack an Allegorien, Pomp, und umständlicher Förmlichkeit, der die Werke der schönen Litteratur in diesen Zeiten auszeichnet, findet sich zugleich mit der zunehmenden Ordnung und Ahnung des Anständigen und Schicklichen in den Gebräuchen der besonderen Ritterorden jener Höfe wieder.

Von diesen Zeiten gilt das Mehrste, was St. Palaye über den Charakter des Ritterwesens anführt, und es gilt nur von der Verfassung einzelner Korporationen, von demjenigen, was bey feyerlichen Gelegenheiten beobachtet ist, oft nur von dem Betragen und den Gesinnungen einzelner ausgezeichneter Helden, die dasjenige, was die Romane ihren excentrischen Idealen beylegten; zu realisiren suchten.

Wie unsittlich erscheinen nicht die Höfe Karls des Sechsten und Siebenten in Frankreich! Wie klagte der Ritter de la Tour im Jahre 1371 über die Abnahme der Rittertugenden! Wie waren im Jahre 1389 die