Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/18

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die Grenzen einer gewöhnlichen Liebe emporrücken konnte.

Herbelot behauptet ferner, daß dieser Roman nebst einem andern unter dem Nahmen Megnun und Leile, oder Leileh, eine eigene Classe ascetischer Dichtungen über die göttliche Liebe ausmachen, deren Autorität außerordentlich groß ist, weil sie sich auf Begebenheiten beziehen, die im Koran vorkommen.

In wie fern dieß in Ansehung des letzten Romans wahr sey, kann ich nicht beurtheilen. Mir ist die Geschichte des Megnun aus dem Koran nicht bekannt. [1] Dieser Nahme soll einer wirklichen Person eigen gewesen seyn, die unter dem Khalifen Moaviah, (der 667–679 regierte) und Kais el Ameri hieß. Leileh könnte man für die Schwester des Ibn Abu Leileh halten. [2]

Megnun bedeutet im Arabischen so viel als einen Besessenen, einen Begeisterten. [3] Die wirkliche Person, welche diesen Nahmen führte, gehört so wie seine


  1. Sadi verwechselt diesen Roman mit dem des Jousouf und Zoleikha’s, und legt der Leileh bey, was der Zoleikha gehört.
  2. Diese Nachrichten verdanke ich dem Herrn Professor Tychsen.
  3. Herr Professor Tychsen versichert mich, daß Megnun im Koran in der Bedeutung eines Besessenen vorkommt, der von bösen Geistern (Ginn) begeistert wird. Es läßt sich aber sehr wohl begreifen, wie der Nahme eines Menschen in diesem Zustande auf den leidenschaftlichen Liebhaber von den spätern Mystikern übertragen sey; besonders da nach der Lehre der neueren Platoniker die Leidenschaft der Liebe als Wirkung der Dämonen betrachtet wurde. Unläugbar ist der Nahme Megnun späterhin ehrwürdig geworden.